Ich bin!
Das erscheint mir schonmal ein guter Anfang für eine "Ich stelle mich vor"-Seite zu sein, setzt sie doch den Leser - also dich da - implizit davon in Kenntnis, dass hier etwas schreibt, was zumindest auf einer geistigen Ebene zur Erkenntnis gelangt ist, dass es ist. "Ich bin", jubelt es aus den Fingern des Schreibers heraus und manifestiert sich in gebytelten Buchstaben.
"Ich bin" , dass war mir schon klar, als ich einst dazu auserkoren wurde, meine Gebeine auf diesem Planeten unter die Erde zu schaffen. "Das Leben ist eine Krankheit, die 100%ig tödlich endet.". Ich erkrankte schwer im Februar des Jahres 1968, was mich aber nicht so recht zu einem "Achtundsechziger" macht, da ich mich einen feuchten Kehrricht um die damaligen Kapriolen meines Namensvetters "Rudi" scherte. Was u.a. auch darauf zurückzuführen ist, dass mich keinerlei verwandschaftliche Verbindungen irgendwelcher Art und über irgendwelche Ecken mit Rudi Dutschke verknüpfen.
An dieser Stelle darf ich einmal freudig aufseufzen, denn es ist mir gelungen mehr oder weniger beiläufig die mir am häufigsten gestellte Frage zu beantworten. Und das bereits in diesem frühen Stadium der Selbstoffenbarung.
Meine Geburt mußte schon vor Jahren als Thematik für erste Schreibversuche herhalten. Herausgekommen ist diese Geschichte von der Geburt des Themenmixers, der - nebenbei gesagt - damals natürlich noch nicht so hieß.
Ich wuchs bereits in den 60ern und Anfang der 70er zu einem stattlichen Buben heran, dessen Hobby unter anderem darin bestand, wie ein Hypnotisierter mit den großen Zehen gegen Bordsteinkanten zu rennen. Ich vermute, dass ich die heftplasterherstellende Industrie in der DDR mit meinem Gebahren gestützt habe. Ich mutmaße ebenfalls, dass mein durch Blut angetriebener Pflaster-Verbrauch die Forschung vorantrieb und als Ergebnis dieses eklige Pflasterspray hervorbrachte, welches ich haßte. Mein Protest gegen diese offenkundige Fehlentwicklung (meine Nase tränt heute noch bei den Gedanken an das Spray!) bestand darin, mir das "Gegen-die-Bordsteinkante-rennen" abzugewöhnen.
Ich erlernte recht zügig die Fähigkeit, mich selbst in der Natur zurechtzufinden. Fast wäre es einmal (genau 1 mal!) daneben gegangen, als ich auf einem meiner zahllosen Pilzgänge in Terrain vorstoß, welches mir so rein überhaupt nichts sagen wollte. Ich erinnere mich genau, dass ich inmitten des Waldes eine Schneise entlang gelaufen bin, deren Ränder mit langen Rohrleitungen gesäumt waren. Ein Indiz für die Nähe des Braunkohletagebaus, der aber merkwürdigerweise eigentlich noch kilometerweit entfernt war. Wo die Rohre plötzlich hergekommen sein sollen, wußte ich nicht. Während ich also immer niedergeschlagener herumwandelte, begann es zu dunkeln. Die Nacht brach über mir herein und ich sah immer noch Rohre! Und Bäume! Zu hören war lange Zeit ebenfalls nichts. Die Welt schwieg und hielt den Atem an. Plötzlich - ich atmete wieder aus - erklang Motorengeräusch in der Nähe. Ich steuerte auf dieses orchestrale Meisterwerk zu, welches selbst ein Mozart nicht hätte fulminanter erfinden können, und fand mich kurze Zeit später in der Nähe von Weißwasser wieder, unweit einer bereits durch die Zivilisation erschlossene Umwelt. Hier kannte ich mich wieder aus. Höhö - ich war daheim. Ich war nichtmal in der Nähe des Tagebaus gewesen. Der ruhte sich noch mindestens 25km weiter südlich nicht aus und wurde selbst während der Nacht ausgebeutet. Aber ich kehrte triumphal heim. Jedenfalls läßt sich die Erleichterung meiner Eltern durchaus durch die kindliche Brille mit "Triumph" vergleichen, denn alle hatten mich schrecklich lieb,
Dennoch prägte mich diese Begebenheit, denn fortan schulte ich meinen Orientierungssinn und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass dieser mich nur selten im Stich läßt. Stets habe ich das örtliche Kartenmaterial im Kopf und mein Geist zeichnet Wegepläne wie von selbst mit. Jaja - ein Teufelskerl bin ich. Ich weiß sogar wo der Baikalsee liegt, und dass obwohl ich noch nicht ein mal da war. Ein imenses Ding, was?
Fortsetzung folgt.....
