Windows Vista startet nicht mehr: crcdisk.sys ist schuldig

Dies ist quasi eine kleine Dokumentation meiner Fehlersuche an einem ACER-Notebook mit Windows VISTA drauf, welches nicht mehr starten wollte, weil eine gewisse Datei namens crcdisk.sys ein normales Funktionieren erfolgreich verhinderte. Ich werde „kurz“ (haha) erläutern wie es dazu kam, was ich zur Fehleridentifizierung unternahm und wie ich letztlich mit einer sogenannten LIVE-CD wenigstens ein wenig helfen konnte. Das alles war natürlich absolutes Neuland für mich.


Letzten Freitag taumelte ich erledigt von einer normalen Arbeitswoche ins traute Heim. „Sieh mal was ich habe!“, trällerte meine Frau und hievte eine Umhängetasche auf den Tisch. Neugierig öffnete ich sie und fand …. ein Notebook darin. Und eine externe Festplatte. Und sowas wie eine Rechnung nebst einer Packung Norton Antivirus – geöffnet. ‚Ziemlich merkwürdige Zusammenstellung für einen Notebook-Kauf!‘, dachte ich bei mir, in des die Geschichte weiterging mit: „Das ist das Notebook von der Tochter von G. Das geht nicht mehr. Du sollst mal schauen, was damit ist.“

Punkt.

Ich wollte eigentlich was anderes machen.

Tag1 – crcdisk.sys-Error und BlueScreen of Death

Nach dem Essen stöpselte ich das Acer-Notebook an die Stromversorgung und ES begann sofort gierig zu schlürfen. Total ausgehungert das Teil. Ich drückte neugierig den Knopf, welcher sich als Power-On-Off anbot und harrte der Dinge die da kommen sollten. Leider bekam ich nur die Hälfte mit, weil ich abgelenkt wurde. Doch als ich mich wieder dem Display zuwandte, sah ich einen grauen Bildschirm mit einem selbstbewußten weißen Mauszeiger darauf. Der Mauszeiger war beweglich, wenn ich meine Finger vorsichtig über das Touchpad streichen ließ; der Bildschirm blieb davon völlig unbeindruckt.

Hmmm.

Noch mal neustarten. Fünf Sekunden sanften Drucks auf den Einschalter brachten wieder Bewegung in die Bude und das Notebook nudelte durch die Bootsequenz. Ein bunter Ladebalken erschien … ‚Aha -‚, ging mir ein Licht auf, ‚Windows Vista ist drauf!‘, während sich ein paar Nackenhaare aufstellten. Der Ladebalken verschwand, ein Bluescreen ploppte kurz auf (was ich ebenso befürchtet wie erwartet hatte) und das Spiel begann von neuem. Neustart … Ladebalken .. Bluescreen .. Neustart …. Ich vermutete wohl nicht zu Unrecht, dass das Notebook in einer Endlosschleife hilflos festhing.

Ich seufzte und versuchte einen Neustart im abgesicherten Modus. Dazu muss man kurz nachdem das BIOS durchgerattert ist, die Taste F8 drücken. Am besten klöppelte man schon auf der F8-Taste rum, wenn die Meldungen über die angeschlossenen Festplatten erscheinen. Dann verpasst man auf keinen Fall den richtigen Zeitpunkt. Jedenfalls unterbrach die Kiste weisungsgemäß das Booten und offerierte das normale Bootmenü. Ich entschied mich erst einmal für die Option „Automatischen Neustart bei Fehler verhindern“. Neustart.

Das bekannte Spiel begann von neuem, bis … ja bis der Bluescreen wieder erschien und dieses mal besann sich der Patient und blieb stehen. Ich konnte den Bluescreen erstmalig näher in Augenschein nehmen. Es war ein Fehler beim Zugriff auf die Festplatte … soso … 0x0000007b stand als Fehlernummr da. Ich setzte mich an meine Mühle und das große Googeln begann …

BlueScreen of Death wegen Fehler mit crcdisk.sys unter VISTA

Dier BlueScreen of Death erscheint unter Windows Vista wenn der berühmte crcdisk.sys-Fehler den Computer lahmlegt.

Viele Hinweise auf Viren boten sich da meinem Auge, viele weitere Hardwaredefekte gab es auch .. lauter tolle Hinweise auf eine schwerwiegende Krankheit des vor mir liegenden Patienten. *seufz* Ich bootete mal im abgesicherten Modus … und siehe da, der Startvorgang blieb bei einer „crcdisk.sys„-Datei hängen. Ich rutschte wieder an meinen Rechner und gurgelte nach Windows Vista und crcdisk.sys. 52.000 Suchtreffer … das Problem war damit definitiv kein Einzelfall. Es sollte wohl möglich sein, in dieser Vielzahl an Treffern hilfreiche Tipps zur Lösung des Problems zu finden. Dachte ich. Dann las ich mich in verschiedenen Foren und Seiten in die Thematik ein und staunte immer mehr über die Abgründe, die sich da auftaten, um sich an verzweifelte Seelen ahnungsloser Anwender zu kuscheln. Ich fand viele normale Tipps wie „Mit der Windows Vista CD booten und dann die Reparatur laufen lassen.“ oder „Bau die Festplatte aus, hänge sie in einen anderen Rechner und schau ob sie dort bootet!“ oder – was mir als die hirnrissigste aller Lösungsideen vorkam: „Lösche die crcdisk.sys und benenne irgendeine andere .sys-Datei in crcdisk.sys um.“

Häh? Was bitte soll das denn bringen?

Und außerdem: Ich komme nicht mal soweit, um überhaupt irgendwas an dem streikenden Notebook zu machen!

Ich erinnerte mich daran, dass man Rechner auch vom CD-ROM/DVD-Laufwerk aus booten kann. Dazu muss man ins BIOS des Rechners und dort die Reihenfolge der Laufwerke beim Neustart umstellen. Damit kannte ich mich aus. Ich habe schon oft im BIOS irgendwelcher Mühlen herumgegraben. Also startete ich das ACER neu und hämmerte ständig auf der F2(!)-Taste herum. Mit Erfolg, denn ich gelangte gewohnheitsmäßig ins BIOS des Computers. Ich erinnerte mich wiederum an etwas, was ich in den letzten Stunden bei der Recherche so gelesen hatte: nämlich das man auch mal den Plattenmodus von AHCI auf IDE umstellen solle! Zu solch gewaltigen Geistesanstrengungen bin ich Freitagabend gegen 22:00 noch fähig!
Ich hab’s probiert – also die Umstellung von AHCI auf IDE: brachte aber nichts. Also weiter im Stoff … Ich habe geschaut in welcher Reihenfolge die Laufwerke beim Booten abgefragt werden: zuerst das DVD-Laufwerk, dann die Festplatte. Gut.

Das nächste Problem war, dass ich keine LIVE-CD habe. Doch das Netz ist groß und die Dinger sind allerorten zum Runterladen da. Ich entschied mich für die KNOPPIX-CD, die es bei Chip.de zum runterladen gab. Das ist eine 700MByte große ISO-Datei, also ein Image von einer CD. Windows 7 – was auf meinem Rechner läuft – bietet beim Rechtsklick auf die Datei bereits an, dass das Image auf CD gebrannt werden soll. Ich tat dies, während ich mal kurz nachlas, was dieses KNOPPIX überhaupt ist … Verdammt: Linux!

Ich habe von Linux ungefähr soviel Ahnung wie ein Maulwurf vom Braunkkohletagebau: ich weiß was es ist, habe aber keinen blassen Schimmer davon wie das genau funktioniert. (Ob ein Maulwurf weiß, was ein Braunkohletagebau ist, sei jetzt mal dahingestellt.)

Nachdem die CD fertig war, schob ich sie in das Laufwerk des Notebooks und bootete … Ich musste kurz das Wort „KNOPPIX“ eingeben und das ACER begann zu leben. Dateien wurden geladen, Kernel begannen zu pulsieren, Punkte vermehrten sich linienförmig. Plötzlich ertönte eine weibliche Stimme, die etwas wie „Initiating startup sequence“ sang. Eine glockenklare Stimme. Fast schon erotisch. Wahnsinn. Dann machte es irgendwie einen grafischen „Plopp“ und das System war gestartet. Es sah aus wie ein abgemagertes Windows. „klick“ machte ich hierhin und dort hin und suchte nach so etwas wie eine Toolbox oder ein Schweizer Taschenmesser, wo dann so eindeutige Icons zu finden wären wie „Festplatte testen“, „Speicher prüfen“ etc. Aber Pustekuchen. Nichts.

Ich klemmte mich wieder an meinen Rechner und schaute mich im Netz um. Ich las wiederum viele Minuten, was man tun kann und lassen sollte und wie leicht man doch die Festplatte löschen kann. Bis ich auf die Seite von Dirk Hoeschen kam, wo ich einen sogar mir verständlichen Artikel darüber fand, wie man eine Platte mit KNOPPIX prüft.

Ich ging diese Seite durch. Ich merkte mir Befehle wie „sudo su“ und ganze Befehlsketten wie „fdisk -l“ oder „smartctl –all /dev/sda“ u.s.w. Ich merkte mir diese und hüpfte zum Notebook, um sie nacheinander in das Notebook zu morsen. Es passierte genau das was in der Anleitung beschrieben war! Eine sehr gute Anleitung!

Letztlich führte ich den dort empfohlenen Short-Test mit smartctl aus. Das Ergebnis: die Platte ist ok! Ich startete den „long“-Test und ging schlafen. Es war inzwischen nach Mitternacht geworden.

Tag2 – die Datenrettung

Am nächsten Morgen rief ich wie empfohlen des Testergebnis der Überprüfung ab: alles in bester Butter. Na gut – die Festplatte scheint in Ordnung zu sein.

Und was jetzt?

Ich guckte mal, ob ich mit KNOPPIX ein wenig auf der Platte herumsurfen konnte. Es ging! Und so begab ich mich auf die Suche nach der „crcdisk.sys“, welche ich nach einiger Zeit auch im Verzeichnis WINDOWS/SYSTEM32/DRIVERS fand.

‚Soll ich oder soll ich nicht?‘, fragte ich mich. Ich schaute mich vorsichtig um, entschied mich für die Methode „Mut zur Lücke“, kopierte die crcdisk.sys zur Sicherheit ins etm-Verzeichnis, löschte sie, und kopierte eine andere sys-Datei in die crcdisk.sys. So wie ich es einige Male im Netz gelesen hatte. Es konnte irgendeine SYS-Datei sein. Meine Gedanken schüttelten die Köpfe über soviel blödsinnigen Irrsinn.

Ich fuhr KNOPPIX wieder herunter. Wieder diese Stimme … ‚Initiating shutdown sequence‘ … hach. Eine Meldung forderte mich auf, die CD zu entfernen und ENTER zu drücken. Ich kam dem nach, was das ACER-Notebook zum Schweigen brachte.

Dann drückte ich den POWER-ON-OFF-Schalter erneut … das Bios ratterte wieder durch. Der Ladebalken erschien kurz …. der Bildschirm wurde grau … GRAU? … Und dann wieder schwarz. Das Notebook bootete von allein neu durch. Wieder Ladebalken … und DA …. nein DA ….. *Seufz* … Es war nur das bekannte aufflackern des BlueScreen of Death und die unschöne Sequenze begann von neuem. Dieses Experiment war gescheitert.

Ich beschloß es dabei zu belassen. Es war Samstag und ich wollte anderes machen. Mein Vorschlag an die Notebookbesitzerin: Daten sichern und dann Windows 7 oder Windows 8 drauf schmeißen. Alles andere hat keinen Zweck.

Moment mal … Daten sichern? Ich glaube nicht, dass sie weiß wie sie das ohne Windows machen soll. Ich warf die KNOPPIX-CD wieder ein. Ich würde Linux wieder starten, dann die externe Festplatte aus der Tasche anstöpseln und mal gucken wieviel Platz da drauf ist. In des das Notebook wieder mit KNOPPIX startete recherchierte ich, wie ich dem System eine externe Festplatte nahebringen könnte. Ich vermutete nicht zu unrecht, dass es mit einem einfachen anschließen via USB wohl nicht getan sei. Als Windows-User bin ich derlei Hinsicht etwas verwöhnt. Ich hatte schon öfter von „mounten“ gelesen, ja ich hatte schon öfter selber gemountet. So heißt das nämlich unter Linux, wenn man ein neues Laufwerk ins System intergriert: man mauntet es. Aber als ich die ellenlangen Parameter im Netz sah wurde mir leicht schummerig. Ich weiß – ich war auf den falschen Seiten, doch ich versuchte etwas ganz anderes: Wenn ich die externe Festplatte gleich vor dem Neustart des Rechners an die Kiste stöpsel, könnte das Linux doch schlau genug sein und die externe Festplatte als zweites Laufwerk automatisch erkennen, oder?

Was soll ich sagen – genau so war es. Die externe 320GB-Festplatte war nur halb voll; das USER-Verzeichnis auf dem Notebook nur knapp 80GB groß. Das reicht …. Also kopierte ich das komplette Userverzeichnis /USER/USERNAME von der Festplatte des Notebooks auf die externe Platte. Das lief sehr, sehr lange (weil unzähliche temporäre Dateien dabei waren) aber – und das erschien mir das Wichtigste zu sein: die Daten waren gesichert!

PS: Natürlich hätte ich all die Dateien sichten können. In Bildern, Videos und Dokumenten stöbern. Aber das habe ich nicht getan. Das gehört sich nicht!

Letztlich habe ich das Notebook vorhin wieder eingepackt. Ich werde der Besitzerin genau das empfehlen, was ich vorhin schon schrieb: Installiere ein neues Windows. Punkt. Alles andere hat keinen Wert. Klar – es könnte noch ein Bootsektorvirus drauf sein. Oder sonst was anderes. Aber: Windows VISTA ist alt, überholt und wird nicht mehr von Microsoft supportet. Also weg damit. War eh kein Ruhmesblatt von Microsoft, auch wenn Steve Ballmer soviel Gewese darum gemacht hatte.

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