Schreibblockade am 01.02.2010

Eine Schreibblockade ist eine heimtückische Krankheit, die vor allem mich befällt. Von Zeit zu Zeit kann ich stundenlang vor dem Computer sitzen und darüber nachgrübeln, was ich denn nun schreiben soll. Und schreiben muss ich. Schließlich lebt diese Webseite ja von Texten. Texte möchten getextet werden. Ich texte am liebsten über … Tja, was nun eigentlich. Sehen Sie? Eine lupenreine Schreibblockade.

Ein normalsterblicher Besucher dieser Seite macht sich ja keinerlei Vorstellungen drüber, welche Torturen das Schreiben mit sich bringt. Sehr oft setze ich mich dann einfach hin und fange an zu schreiben. Immer angetrieben von der Macht des Zufalls, die alte Kannaille, und erfüllt vom Glauben an die magischen Kräfte der Buchstaben. Sie mögen mir doch bitte die Gnade erweisen und sich zu etwas sinnvollem zusammenfügen. Und so fange ich einfach an ….

Es ist kurz nach 11 Uhr. Abends. Ich sitze wie so oft vor der Kiste und versuche etwas zu schreiben. Aber über was? Welches Thema lauert hinter dem nächsten Tastaturanschlag und bricht gleich mit ohrenbetäubender Stille unter einer Taste hervor? Vielleicht unter dem „X“ oder versteckt sich hinter dem „Ü“ ein Knaller? Ich versuche so mit Hilfe verschiedener, oft furchtbar verschlungener und verworrender Schachtelsätze mich einem Thema anzunähern, um dann – hellwach – den zündenden Funken der Fantasie aufzunehmen, ihn zu hegen und zu entfachen, auf das ich nach vielen, vielen Worten, die ich auf diesem Weg verloren habe, ein Thema gefunden und erleuchtet habe. Manchmal hilft auch das nicht. Sie merken es an diesem Absatz. Schreibblockade.

Ein neuer Versuch. Immerhin muss ich noch ca. 60min Wachsein überbrücken. Der Brotbackautomat braucht noch so lange, um ein köstliches Brot zu gebähren. 60min, die ich einfach munter drauflos schreiben kann. Niemand stört mich. Ich störe mich maximal selbst mit den Gedanken auf das Zubettgehen im Anschluss an die schon mehrfach erwähnten 60min. Es könnte problematisch werden mit dem Schlafen nachher. Hier dampft nämlich ein Kaffee in der Tasse und verströmt Lockstoffe. Ja, ja .. Kaffee um diese Uhrzeit ist bei blockierten Textern keine Seltenheit. Sehr oft habe ich schon gehört, dass mit der Schreibblockade infizierte Texter fast schon Hektoliter an Kaffee vertragen können. Mindestens genauso oft müssen sie danach grauenhafte Mengen an Baldriantropfen zu sich nehmen. Der Blutdruck blubbert sonst zu unkontrolliert im Körper herum und macht diesen ganz kirre. Dies ist einem gesunden Einschlafen nicht zuträglich.

Mir freilich macht das nichts aus. Glaube ich. Inzwischen haftet mir der Ruf eines Koffeinsüchtigen an. Im Büro – also da wo ich die ganze schöpferische Zeit des Tages verbringe, aber nicht mit dem Texten von Texten – erwog man sogar schon eine Art Standleitung vom Kaffeeautomaten direkt in meinen Körper. Denn …

Mist. Der soeben aufgenommene Ariadnefaden der Schreibwut zerbröselt mir bereits wieder in den Fingern. Wußten Sie eigentlich, dass Ariadne der Name einer Fruchtbarkeitsgöttin auf Kreta war? Nicht? Ich auch nicht. Aber ich habe es eben nachgeschlagen. In meinem Falle müßte es wohl Furchtbarkeitsgöttin heißen. So furchtbar gedankenlos wie ich hier versuche, ein Thema aufzugreifen und so der Schreibblockade ein Schnippchen zu schlagen.

Wenn ich gegen eine Schreibblockade kämpfe ist das wie mit einem Stück Seife: ich taste nach Gedankenverbindungen und die flutschen mir einfach weg. Kaum kristallisiert sich ein Antischreibblockadentoxin aus dem nebulösen Etwas meines Hirns, schon ist es wieder weg.

Kurzes Intermezzo: Der Brotbackautomat hat soeben Laut gegeben. Wenigstens einem scheint heute noch was zu gelingen. Vielleicht aber auch nicht. Ich meine, es liegt doch durchaus im Bereich des Möglichen, dass sich am Ende der biologisch-chemisch-technisch vorgeschriebenen Backzeit nur eine wabbernde Masse im Inneren des Brotbackautomaten gebildet hat. Womöglich sind die Backbakterien schon eine Evolutionsstufe vor dem römischen Senat angekommen? Es soll ja eine unglaubliche Hitze in so einem Backautomaten herrschen. Wer weiß denn schon, was dieser Brodem mit so armen kleinen Bakterien anstellt? Wer bin ich denn, der ich so etwas wissen will?

Inzwischen häufen sich die Schreibfehler beim Tippen. Ob die öde Warterei auf das Brot, der zweite Kaffee, der Winter, das schweizer Bankgeheimnis, das Jahr 2010, Twitter oder die Uhrzeit daran Schuld sind vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht ist es auch nur eine schreckliche Nebenwirkung dieser hundsgemeinen Schreibblockade. Jedenfalls bedeutet das vermehrte Auftreten von Wechstabenverbuchslern für mich, schleunigst zum Ende zu kommen. Zum Ende von was eigentlich?

Ich finde, diese vergangenen knapp 700 Wörter können wohl kaum als Text durchgehen. Doch ich lasse sie jetzt einfach so stehen. Vielleicht transformieren sie sich ja in was gehaltvolles? Geholfen hat mir diese Schinderei von Tastaturmisshandlung jedenfalls nicht gegen die Schreibblockade.

Morgen ist ein neuer Tag und ich vertraue einfach darauf, dass dieser kein selbstbewußtes Häkchen vor dem Checkpoint „Schreibblockade“ hat.

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