Schiller und die Sonne, die nicht aufgeht

So hatte ich vor Jahren meine Rezension zum Schiller-Album Atemlos beendet:

Ich kann Christopher von Deylen zu Atemlos nur gratulieren und aus tiefstem Herzen danken für dieses Album. Ich verneige mich.

Nun ist das neue Schiller-Album „Sonne“ schon fast eine ganze Woche aufgegangen und ich habe seit dem lange mit mir gerungen, was ich denn dieses Mal dazu schreiben möchte. Im Gegensatz zum vorherigen Album „Atemlos“, bei dem ich automatisch in die Tasten hauen und meinen Gefühlen freien Lauf lassen durfte, fällt es mir heute ungleich schwerer, diese in Worte zu fassen. Daher möchte ich einfach mein Fazit gleich voran stellen und im Nachhinein erklären, wie ich dazu komme:

Sonne ist für mich das schlechteste aller Schiller-Alben.

Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich noch auf schillernden Pfaden durchs Leben gehen werde und ob ich nicht einst Tag & Nacht mit sehnsüchtigem Blick atemlos auf eine schillernde, lebende Welt zurückblicken werde, die von einer vergehenden Sonne verbrannt wurde.

Das sind fürwahr harte Worte, die ich hier zu Felde führe. Ich spreche sie natürlich nicht ohne Grund aus, sondern habe mir das lange überlegt und … dabei der neuen Welt von Schiller gelauscht. Summa Summarum hörte ich der Sonne jetzt 5mal zu. Inzwischen bin ich soweit, dass ich keine Kopfschmerzen bei dem Album bekomme.

Lauschiges Plätzchen am Bodensee, um Schillers Sonne zu hören.

Illegaler Platz, um Schiller zu hören. Es sieht warm aus, chillig. Vielleicht war ein Fingerzeig, dass der Wind kurz darauf zunahm und es immer kälter wurde?

Aber der Reihe nach …
Letzten Samstag schnappte ich mir die Schiller-CDs und trollte mich an das Ufer des Bodensees. Ich wollte meine Ruhe haben, wenn ich in die Schiller-Welt eintauche. Ich suchte und fand ein gar lauschiges Plätzchen, welches geradezu dafür geschaffen worden war. Das ich es nicht gerade auf legalem Wege aufsuchen konnte, möchte ich hier nur am Rande erwähnen. 🙂

Ich lümmelte mich also entspannt auf die Bank und startete die Sonne …

Schiller – Sonne – die Tracks

Mit einem Willkommen beginnt jedes Schilleralbum. Dieses Willkommen hat schon immer einen hohen Wiedererkennungswert. Die richtige Einstimmung auf das musikalische Erlebnis, welches da kommen mag. Auf Sonne ist das Willkommen anders als sonst. Warm. Sphärisch. Ein neuer, anderer Schiller kündigt sich an. Ja, das läßt sich gut an und geht sogleich in ….

Solaris über. Solaris kannte ich schon aus der Vorabauskopplung als Video via schillermusic.com. Schwermütige, melancholische Streichereien versuchen mich aus dem Alltag zu reißen und die Zeit zu entschleunigen. Sanft dringen die Klänge in mich, versuchen den Geist zu öffnen. Solaris klingt wunderbar und geht langsam in den nachfolgenden Titel über. Eine langsam tempoaufnehmender Wechsel. Schön. Ich chille … Wie geht es weiter?

Kontiki nimmt den ruhigen Faden auf und kurz bevor ich den Sprung in die neue Welt von Schiller schaffe, bereit bin, mich darauf einzulassen – krachen vergleichweise harten Percussions aus den Kopfhörern. Ich reiße jäh die Augen auf und die heranschwebende Ruhe sucht verängstigt das Weite. Meine Güte, was soll das denn? Kontiki ist einer der guten Tracks auf dem Album – gerade auch wegen der Verbindung zu Solaris – aber bereits dieser frühe Break sorgt bei mir für Verwirrung. Kaum auf Chillniveau heruntergebremst muss ich also gleich wieder an Fahrt aufnehmen, um Kontiki folgen zu können. Kontiki ist ein guter, routinierter Schiller-Track, ohne Frage. Es fehlt ihm aber an der Fähigkeit, das durch Solaris erzeugte Gefühl aufzugreifen und mitzunehmen. Gegen Ende zieht Christopher wieder Solaris hinzu. Das ist perfekter Schillersound!

Revelation folgt. Revelation gehört für mich an den Anfang des Albums. Da würde der Track eine bessere Figur machen. Zu einer echten Offenbarung jedoch fehlt ihm einiges. Revelation klingt nicht schlecht, klingt nach Schiller. Ich vermisse trotzdem – wie übrigens auf dem kompletten Album – eine gewisse Tiefe. „Atemlos“ hatte mich nach dieser Zeit bereits fest in den Bann gezogen. Die Sonne indes vermag das nicht ansatzweise. Überhaupt – inmitten der Revelation ein erneuter Bruch nach 3:55. Das wirkt richtig brutal auf die Sinne, welche sich in gewohnter Schillermanier um Einklang bemühen. Wieder aus dem „Schweben“ gerissen. Die schönen Worte am Ende wirken dann wieder wohlwollend. Das Wohlwollen findet leider ein jähes Ende, denn …

… dann folgt der Untitel überhaupt: Sonne mit Unheilig. Beim ersten Durchhören fühlte sich die Sonne an dieser Stelle sogar angebracht an. Wenn man den Text ausblendet, der an Banalität kaum zu übertreffen ist. Dieser Track ist in meinen Ohren eine Zumutung. Der Graf macht Schiller zunichte, führt Schiller ad absurdum und kommt so deplatziert herüber, wie ein Flugzeugträger auf dem Bodensee. Ich glaube es immer noch nicht, dass es diesen Titel mit Schiller gibt. Ich träume nur schlecht, oder?

Plötzlich schlägt’s Mitternacht. Mitternacht gefällt vom ersten Ton an und lädt dazu ein, die unheilige Sonne zu vergessen und sich fallen zu lassen, was wegen der schon zu diesem Zeitpunkt viel zu häufigen Breaks und Rhythmuswechsel zunehmend schwerer wird. Leider ist der wieder schöne Schiller-Track jedoch viel zu schnell zu Ende und wird …

… von den brummenden Sounds der Hallucinating Beauty abgelöst. Wieder dieser für Sonne so typische Klangbruch von sphärischen, schwebenden Tönen zu harten und groben Klängen. Der Song mit Kate Havnevik ist – für sich allein stehend – durchaus hörenswert. Eingebetet in Sonne schmerzt er zunächst in den Ohren, nicht ohne dann eine Art Wiedergutmachung zu versuchen, die sogar ansatzweise gelingt. Mit über 7min ist der Song jedoch zu lang. Er wirkt zunehmend künstlich in die Länge gezogen ohne dabei an Qualität zu gewinnen oder im Verlauf Neues zu bieten. So verplätschert der Song die Zeit bis zum …

Morgenrot. Auf diesen Track war ich sehr gespannt, tauchte er doch vor der Veröffentlichung in Teasern auf und versprach neue Klänge von Schiller. Ein orientalischer Hauch würde durch die Welt wehen und neue Perspektiven verheißen. Morgenrot zieht das Bewußtsein wieder herunter und beginnt mir Bildern aus TausendundeinerNacht vorzuspielen. Das die Töne der orientalischen Flöte irgendwie nicht ganz gelungen klingen, fühlt sich komisch an. Klingen die wirklich so … abgehackt? Ich gerate dennoch in Resonanz zum Groove der Morgenröte und wippt unwillkürlich mit. Wunderbar. Aber irgendwie ist meine Auffassungsgabe und Entschleunigungsfähigkeit schon jetzt so ruiniert, dass ich das erhoffte Gänsehaut-Feeling nicht erlebe. Schade. Wirklich.

Was im Anschluß folgt ist für mich der nächste Beweis, dass Sonne mit „meinem“ Schiller nicht mehr viel zu tun hat: Alive mit Adam Young. Nach Sonne ist Alive ein erneuter unglaublicher Tiefpunkt im schillernden Universum. Ein Song, der so mainstreamig einer Hitparade entsprungen scheint, welche anspruchslosen Kommerz befriedigen soll, dass ich …. oh nein … Es schüttelt mich regelrecht. SKIP!

Wie angenehm ich doch im Anschluß die Strecke „Berlin – Moskau“ schlendern kann. Im Vergleich zum grottigen Alive wieder ein Tempowechsel auf dem Album, dieses Mal aber zum besseren. „Berlin – Moskau“ ist ein wahrer Lichtblick auf der Sonne. Klasse gemacht. Was fehlt ist die Gänsehaut. Doch die habe ich inzwischen abgeschrieben.

Lichtermeer – bei jedem Teaser zum Album dabei. Ich konnte gleich nichts damit anfangen. Die vom Lichtermeer-Hauptthema abweichenden ruhigeren Phasen klingt gut, der Rest wirkt aufgesetzt und … retro. Elektropop der frühen 80er! Energie suche ich vergebens und kann auch keine aus dem Track herausziehen. Im Gegensatz … meine schöne Entspannung, die ich am Ende meiner Reise von Berlin – Moskau empfunden habe, wird abermals einem abrupten Ende zugeführt. Mittlerweile frage ich mich, was Christopher sich bei diesem steten Auf und Ab der Tempi gedacht hat. Ich verstehe es nicht. Ich fühle nichts. Außer eine unbekannten Fremdheit, die mich erfasst, verwundert und erschüttert.

Daran ändert Soleil de Nuit mit Pierre Maubouchè immerhin ein klein wenig. Der Song ist neu für Schiller. Französischer Sprachgesang erinnert ein wenig an einen guten alten Chanson. Soleil de Nuit ist anders schön. Keine Frage.

Der erste Titel mit Meredith Call heißt Reach out und klingt zwar nett, ist irgendwie Schiller; aber zu seicht. Ein Titel, den man hört und wieder vergißt. Besonders wenn man die späteren Tracks mit Meredith hört.

Das dritte Auge ist wieder fremdartig und wohl ein Zeugnis der Experimentierfreude von Schiller. Willkommen in einer neuen Welt von Schiller. Das dritte Auge besitzt einen recht eigentümlichen Groove, dem man vorsichtig begegnet, sich aber so nach und nach auf ihn einläßt. Mir drängt sich bei jedem Hören ein Harlekin auf, der seinen Schabernack mit mir treibt. Ich bin davon überzeugt, dass genau dies eine Fehlinterpretation ist und so gar nicht die Intension des dritten Auges trifft. Ein Zeugnis dafür, dass ich den Sinn dieses Titels nicht verstehe. Das stört mich schon lange nicht mehr. Schiller hat immer auch „schwierige Sounds“ auf den Alben. Ich denke nur an Opium mit Jaki Liebezeit vom Atemlos-Album, welches mich anfangs auch vor erhebliche Probleme stellte und diese erst viel später ausräumte.

Velvet Aeroplane mit Kate Havnevik – Ich habe jetzt 5 Anläufe gebraucht, um irgendetwas positives an diesem Song zu finden. Integriert in das Album ist der Titel ein Störfaktor; allein jedoch entfaltet er eine nicht für möglich gehaltene Dynamik. Ich habe sogar leichte Schauer gefühlt! Ein Novum auf der Sonne! Velvet Aeroplane ist anders. Velvet Aeroplane ist das atemlose Fire. Die Parallelen sind unverkennbar. Velvet Aeroplane steigert sich immer weiter und findet seinen Höhepunkt in einem brachialen Schlagzeugeinsatz, welcher in ein … nur allzu bekanntes Solo übergeht. Sagt mal … ist das Repertoire von Cliff Hewitt so eingeschränkt, dass Schlagzeugsoli seit dem Weggang von Gary Wallis immer gleich klingen? IMMER! Das macht Velvet Aeroplane zu einen guten, aber wieder nicht perfekten Song. Schade drum.

Die Sonnenuhr beginnt ihre Kreise zu ziehen. Ruhig, aber stetig rückt sie weiter und weiter. Ja – Sonnenuhr ist definitiv gelungen. 🙂

Der dritte Song mit Kate Havnevik heißt „Oasis„. Ein schöner Song, den man sich immer wieder mal reinziehen kann. Höhrenswert, wenn auch nichts davon hängenbleibt und der Track bereits kurze Zeit später wieder vergessen ist.

Sonnenwelten breiten sich aus. Und mutieren plötzlich zu einem flachen Loungetrack, den ich von einigen Cafe del mar – Werken kenne. Leichte, anspruchslose Musik. Skip.

Ahhhh … Epic Shores mit Meredith Call. Epic Shores schien bereits früh als mein absoluter Lieblingssong von Sonne festzustehen. Hier beginnen die Füße von ganz allein zu wippen. Der Drive des musikalischen Backgrounds ist stark ausgeprägt. Dessen spürbare Zunahme an Energie ist direkt fühlbar. Herrlich, wenn sich die aufgebaute Energie im Refrain entlädt. Das war mein Eindruck VOR dem Erscheinen des Schiller-Albums. Doch der Titel verliert mit der Häufigkeit des Hörens an Faszination. Epic Shores ist immer noch ein schöner Titel für mich. Der erhoffte Höhepunkt des Sonnenalbums ist er aber nicht geworden.

Ein fast schon überraschend sanfter Übergang führt zu Energy mit Tim Brownlow. Die Stimme ist anders und gewöhnungsbedürftig. Sie ist einfach nur richtig neu für Schillerverhältnisse. Der Song ist jedoch 0815, wenn ich es hart auf den Punkt bringen darf. Es macht sich pure Langeweile beim Hören breit.

Langeweile, die unglaublich schlecht (nennen wir es ruhig beim Namen: grottenschlecht!) in einen wirklich wunderbaren Titel übergeht: Pale blue eyes mit Andrea Corr. Das ist Schiller! Das ist die Musik, auf die ich mich freute. Das ist ein Höhepunkt des Albums. Klasse gemachter Remix, Christopher. Via Facebook hatte ich den Remix schon früh im Sommer gehört und gleich ins Ohr geschlossen. Ich hatte gehofft, dass er auf dem Sonne-Album drauf sein wird. Ich habe mich gefreut, als er tatsächlich in der Tracklist auftauchte. Ich hätte nie vermutet, dass es einer der ganz wenigen Highlights sein wird. Anhören und genießen!

Vor allem dranbleiben heißt es jetzt, denn mit Ultramarin schließt sich nahtlos der beste Instrumentaltitel der Sonne an. Hier findet das „Fallenlassen“, von dem Christopher von Deylen in der Ankündigung zur Sonne sprach, wirklich statt. Und es ist das einzige Instrumentalstück, bei dem sich im Laufe des Albums dieses schwerelose Gefühl einstellt. Keine Gänsehaut, keine tiefen Berührungen in der Seele, aber eindeutig ein echter Schiller!

Dancing in the dark mit Ameerah scheint den Flow zunächst aufzunehmen und weiterführen zu wollen. Leider versandet das Niveau wenige Momente später in einer absolut nichtssagenden Stimme, welche greifbar gewordene Belanglosigkeit zelebriert. Ein weiterer Mainstream-Titel, der irgendeiner Standardretorte für Dance-Titel entnommen scheint. Skip.

Der unwürdige Tanz führt uns direkt in die Klangwelten, die schwungvoll daherkommen. Ein normaler Track, wie man ihn schon gewohnheitsmäßig auf einem Schiller-Album erwartet. Er stört nicht, er würde jedoch auch nicht vermisst werden.

Lay down mit Paper Aeroplanes bringt in diesem fortgeschrittenem Album-Stadium nochmal eine namentlich neue Stimme, die sich jedoch schematisch nicht von den bisher gehörten weiblichen Stimmen unterscheidet und austauschbar ist. Der Song sagt mir vorerst gar nichts. Ich meine aber, dass dies nicht mein endgültiges Urteil sein muss.

Dem Namen nach verspricht „Geborgenheit“ genau diese. Und tatsächlich gelingt es Geborgenheit zumindest zeitweise, die inzwischen komplett verwirrte Seele des Hörers an die Hand zu nehmen und beruhigend zu streicheln. Doch auch hier stört das Aufbrausen eines Flugzeugs(?). Warum zum Geier fliegt da ein Flieger zweimal durch die Geborgenheit und lärmt die schöne Beschaulichkeit in Grund und Boden? Warum? Was hat das markante Aufbrause mit „Geborgenheit“ zu zun? Ich möchte diese Fragen inzwischen hinausschreien!

Ich nähere mich auf der „Sahara Avenue“ so allmählich dem Sonnenuntergang. Dabei fällt mir gerade auf, dass es auf dem Album „Sonne“ zwar ein Morgenrot, jedoch weder einen „Sonnenaufgang“ noch einen „Sonnenuntergang“ gibt. Komisch. Egal. Ich bin auf der Sahara Avenue unterwegs und es macht einfach Spaß dahin zu schillen.

Und schon sind wir beim wohl emotionalsten und letzten Gesangsstück der Sonne. The silence mit Meredith Call ist rhythmisch, melancholisch, trauig, tiefgründig und einfach der beste Track des Sonnen-Albums. Der Titel erinnert an Dido. Aber er kommt nicht als platte Dido-Kopie rüber. The silence ist ein überragender Abschluß eines absolut merkwürdigen Schilleralbums, vermag dieses aber nicht aus dem schwarzen Loch des Schiller-Universums zu retten. Für sich genommen ist „The silence“ die Sonne des Albums. Meredith Call der einzig würdige Hinzugewinn der Schiller-Stimmen. Danke, Christopher, für diesen göttlichen Song! Danke.

Reprise beschließt das Album „Sonne“. Auf Facebook wurde die Frage gestellt, von welchem Titel Reprise die Reprise sein soll. Eine gute Frage und ich kann sie nicht beantworten. Ich würde gern Christophers Meinung dazu hören.

Mein Fazit zur Sonne

Ich bezeichne mich gern und voller Stolz als Schillerfan der seit der Weltreise im Schiller-Orbit kreist. Ich kann ohne weiteres alle in meiner Umgebung Schiller-verrückt machen. Ich könnte dies auch weiter tun, müsste dazu aber vermeiden, das Sonne-Album zu erwähnen. Am besten würde es gelingen, wenn ich Weltreise und Atemlos dazu nutze. Beides sind Meilensteine in der Musikgeschichte. Weltreise zeigte mir den Weg in schillernde Welten und Atemlos war das größte musikalische Ereignis, dem ich erliegen durfte. (siehe Zitat aus meiner Atemlos-Rezension am Anfang dieses Artikels)

An Atemlos reicht die Sonne nicht annähernd heran. Im Gegenteil: Sonne kommt wie ein Sampler daher. Der exzessive Wechsel der Tempi und Stimmungen macht einen Genuß am Stück unmöglich. Es geht einfach nicht. Sonne ist außerdem zu lang. Am Ende hat man keine Ahnung mehr, was man am Anfang gehört hat. Die meisten Titel perlen an mir ab wie Wasser von einem Lotus. Ich fühle mich gegen Ende der Sonne ausgelaugt, von den Tracks durchgeschüttelt und hin und her gestoßen, wie in einer Kutsche auf einem Schotterweg.
Sonne als Gesamtkunstwerk betrachten und begreifen zu wollen, führt direkten Weges in die Verzweiflung. Ich gebe einfach offen zu, dass das neue Schiller-Album „Sonne“ für mich eine Enttäuschung fast auf der ganzen Linie ist. Ich gehe wie eingangs bemerkt sogar so weit, das Album als „das schlechteste Schiller-Album aller Zeiten“ zu bezeichnen. So viele ungewohnte Ungereimtheiten, so viel hinzugekommener Mainstream, so viel nichtssagende Stimmen, dazu diese merkwürdige, undurchdachte Aneinanderreihung völlig zusammenhangsloser Titel sind nichts weiter, als ein grauenhafter Tiefpunkt im Schaffen von Schiller. Ich muss es einfach so brutal sagen:

Sonne ist ein nichtssagendes, emotionsloses, überflüssiges zusammenhangloses Album.

Ich hätte so gern wieder geschwärmt. Ich habe mich so sehr darauf gefreut, Schiller in höchsten Tönen meine tiefe, aufrichtige Bewunderung zu zollen. Ich bin so enttäuscht, dass mir einfach die Worte fehlen.

Dazu ist nicht mehr viel zu sagen. Punkt. Skip.

Nachtrag: Gerade langjährige Fans scheint Christopher von Deylen mit diesem Album zu vergraulen. Schau mal in die Rezensionen bei Amazon.

Sicher – ein Musiker entwickelt sich selbst immer weiter und auf diesem Weg verliert und gewinnt er Fans am laufenden Band. Allen Recht machen kann man es nie und als Künstler darf man das auch nicht anstreben.
Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich noch auf schillernden Pfaden durchs Leben gehen werde und ob ich nicht einst Tag & Nacht mit sehnsüchtigem Blick atemlos auf eine schillernde, lebende Welt zurückblicken werde, die von einer kraftlosen Sonne verbrannt wurde.

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Schiller - Tag und Nacht
Schiller - Atemlos
Schiller - Sonne

1 Antwort

  1. Rico sagt:

    Nein Nein Nein:) Reach Out ist kein Song den man schnell wieder vergisst ganz im Gegenteil. Die Version im Konzert (live) mag für viele zu seicht sein aber gerade diese spricht mich an und ich find Reach Out is auf dem Album eines der besten Stücke:)

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