R.i.P. Mimi

Anfang des Jahres hatte ich in diesem Artikel unsere Zwergkaninchendame „Mimi“ vorgestellt und versprochen, einige Artikel über das putzige Hasenvieh folgen zu lassen.

Dies ist nun der Artikel. Es ist leider der letzte Artikel, den ich ausschließlich Mimi widmen werden.

Mimi ist letzten Samstag auf tragische Art und Weise ums Leben gekommen und hat ihre Reise in den Hasenhimmel angetreten. Ursache für das plötzliche Dahinscheiden ist in unseren Nachbarn zu sehen. Besser gesagt, in den Nachkommen unserer Nachbarin. Noch besser in deren Besuch am letzten Wochenende. Aus BAYERN! Die Bayern sind schuld! Aber der Reihe nach.

Unsere Nachbarin wohnte allein in einem großen Haus nachdem ihr Mann gestorben war. Das Haus wird nun wohl verkauft oder vermietet. Jedenfalls hatten die Nachkommen nun kurz vor dem Aus für das Haus zu einem Familientreff geladen. Zu den geladenen Gästen gehörten auch Menschen aus Bayern. Genauer gesagt aus München. Münchner Bayern sozusagen. Das wußte ich aber am Morgen des letzten Samstags noch nicht.

Dieser Samstag hatte eigentlich ganz ruhig begonnen. Aufstehen, Sonne, hach. Vormittags ein wenig der Jubiläumsfeier des Familientreffs beiwohnen; nachmittag dann zum Geburtstag. Dazwischen etwas Ruhe. Ein normaler, erfüllter Samstag.

Mimi wurde wie immer morgens aus ihrer Hütte befreit. Ein wenig Salat zum Frühstück, strecken, gähnen, ein paar Runden um den Terrassentisch drehen und dann erstmal hinlegen. So sieht eine rundum zufriedene Häsin aus.

Meine nachmittägliche Ruhe wurde jäh unterbrochen, als durch die offene Terrassentür polternder Lärm in das Wohnzimmer platzte. Ich erhob mich mühevoll und schaute nach dem Rechten. Und was sah ich da?

Ein Hund – so eine etwas größere Fußhupe, also kleiner als ein Schäferhund – machte sich einen Spaß daraus, Mimi über die Terrasse zu hetzen. Mimi – streng die Terrassengrenzen beachtend schoß unter Tisch und Stühlen hindurch und letztlich in ihre Rückzugsecke. Der Hund immer hinterher. Und als Mimi gerade wieder der Sackgasse entwischen wollte schnappte der Köter am Genick zu. Ich brüllte ihn mit einem entrüsteten „HOLLLLAAAA“ an und klatschte meine Pranken lautstark zusammen. Der Möchtergernwolf ließ sofort Mimi zufrieden und suchte das Weite. Mimi indes rannte ihre Runde zu ende und legte sich japsend in ihre Ecke.
„Den Schock muss sie erstmal verarbeiten.“, dachte ich bei mir und gedachte, sie in Ruhe verschnaufen zu lassen.
Der zusammengeschissene Hund aber steckte noch voller enthusiastischen Tatendrang und missachtete die aufgeregten Rufe von der Nachbarterrasse. Vorwitzige schaute er nochmal zu uns um die Ecke. Ich warf ihm den finstersten Blick zu, den ich drauf habe und er dreht wieder ab.
Keine 17 Sekunden später tauchte eine mir bis dato völlig unbekannte Frau an der Terrasse auf und fragte, was denn los gewesen sei. Ich wies auf die erschöpfte Mimi und erklärte, dass hier ein Hase seit Jahren frei herumlatscht. Und das offensichtlich IHR Hund Jagd auf sie gemacht hat. Sie entschuldigte sich und ging dann wieder zu Nachbars rüber.

Für mich war der Fall erledigt. Mimi würde sich wieder einkriegen. Immerhin hat sie schon einige Schrecksekunden durch Katzen mit Bravour gemeistert. Auch den Besuch eines Fuchses hat sie überlebt. Wobei der Fuchs völlig trottelig war. Das muss ich kurz noch erzählen:
Eines vergangenen Tages(!), es war hell, stand plötzlich eine Füchsin auf unserer Terrasse und glotzte verwundert in des offene(!) Hasenhäuschen rein. Sie stand direkt davor, den Kopf neugierig zum Teil im(!) Hasenhäuschen. Aber Mimi war nicht drin! Sowie ich die Füchsin bemerkte vertrieb ich sie natürlich in heldenhafter Manier mit lauten Knurrren und unter Androhung schlimmster Vergeltungsmaßnahmen, falls dem Kaninchen etwas passiert ist. Kann auch sein, dass ich nur ein wenig Radau gemacht habe, was letztlich die Füchsin vertrieb! So genau weiß ich das nicht mehr.
Der Witz an der Story ist – und ich stelle mit Genugtuung fest, dass der Füchsin die Pointe fehlt – dass Mimi ca. 30cm VOR(!) der Füchsin hinter der Rückwand des Häuschens saß. Quasi in tödlicher Nähe. Getrennt nur durch eine Bretterwand.
Wenn ich mir das richtig in Erinnerung rufe, hat Mimi leise geschmunzelt wegen dem blöden Fuchs. Beschwören kann ich es nicht.

Aber zurück zu jenem schwarzen Samstag.
Wir waren zum Geburtstag eingeladen. Ich war mir ziemlich sicher, dass der Hund nicht wieder aufkreuzen würde. Immerhin wußten die Nachbarsgäste ja nun, dass hier ein Hase sein glückliches, freies Zuhause hat. Und ich hielt sie für intelligent genug, dass sie ihren jagdwütigen Köter nicht wieder von der Hundeleine lassen würden. Daher ließ ich Mimi weiterhin draußen. Sie hatte oft genug bewiesen, dass sie damit klar kommt.

Abends dann kamen wir vom Geburtstagsbesuch zurück und ich fand als erstes den Zettel vor der Haustür. „Mimi“, schoß es mir sofort durch den Kopf. Ich überflog hastig die Zeilen. „Es tut mir so leid.“ … „Tierarzt“ …. „Röntgen“ …. „eingeschläfert“ … VERDAMMT! Ich wies meiner Familie den Zettel und raunte nur „Mimi“.

Mimi lag tot in ihrem Häuschen.

Die kommende Stunde war geprägt von anhaltendem Schluchzen. Viele, viele Tränen flossen in den Bodensee. Verzweiflung machte sich breit. Die Trauer war unermesslich. Die Zeit des Abschieds von Mimi war gekommen. Sie wurde einer Hasengöttin gleich beweint und gestreichelt.

Später dann klingelte es und die Hundebesitzerin tauchte wieder auf und erzählte, wie es zum plötzlichen Tod gekommen ist.
Als sie in unserer Abwesenheit den Hund nochmal ausgeführt hat, dieses mal aber an der langen Leine, wurde sie der schwer atmenden Mimi auf unserer Terrasse gewahr. Mimi zeigte keinerlei Fluchverhalten. In dem untrügerischen Gefühl, dass hier etwas schief lief, rief sie den Tierarzt. Dieser nahm Mimi wohl mit, um sie zu röntgen. Das Ergebnis war: gebrochene Wirbelsäule im Genickbereich. Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als Mimi einzuschläfern und sie so vor langem Leiden zu bewahren. Der Hund muss sie am Nachmittag wohl heftiger erwischt haben, als wir uns erst dachten. Immerhin war Mimi noch am Leben gewesen und sogar herumgehoppelt. Aber genau der Biss ins Genick, den ich noch beobachtet hatte, verletzte unsere Mimi tödlich. Ich war lediglich vielleicht 1 Sekunde zu spät gekommen. Tja … die Hundebesitzerin beteuerte mehrfach und glaubhaft ihre Bestürzung und ihr Beileid; was angesichts der durchgeheulten Kinder auch schwerlich anders möglich war.

Am Sonntag begruben wir Mimi im Garten. Ich hatte bald eine Ecke ausfindig gemacht, die ich nicht erst mit schwerem Baugerät beackern musste, um ein würdiges Grab auszuheben. Ein Spaten und eine Spitzhacke reichten vollkommen.
In einer stillen Andacht nahmen wir Abschied von Mimi. Sie wurde auf Stroh ins Grab gebettet und mit Stroh bedeckt, „damit der ganze Sand nicht so sehr auf ihr liegt.“ Jetzt ruht sie in Frieden.

Mimi hatte ein verrücktes, aber glückliches Leben. Nachdem sie ihre eigene Familie ausgerottet hatte (ja, auch das war Mimi!) fühlte sie sich richtig wohl und genoß das üppige, freie Leben auf unserer Terrasse. Selbst einen Beinbruch steckte sie weg. Sie hatte Charakter. Sie war schlau. Sie wußte vermutlich, dass sie nur wenige Meter von der unendlichen Freitheit dieser Welt entfernt war. Sie wußte aber mit Sicherheit, dass ihr diese Welt auch nicht mehr bieten konnte als unsere Terrasse mit den vielen leckeren Speisen und den lustigen Menschen die darauf immer wieder für Abwechslung sorgten.

Wir vermissen Mimi schon jetzt.

1 Antwort

  1. 28. April 2014

    […] R.i.P. Mimi […]

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