Owleye – Rendezvous mit Freddy

Mit dem Alter wird Mann offensichtlich immer wagemutiger. Früher – als ich noch jünger war – endete meine Fahrradsaison spätestens mit der Umstellung auf die Winterzeit. Dann wird es pünktlich zum Feierabend schon so dunkel, dass ein entspanntes Fahren mit dem Fahrrad unmöglich erscheint. Zudem findet diese Umstellung auf die Dunkelheit immer im Herbst statt und der Herbst ist normalerweise ein recht ungemütlicher Gesell. Bislang erschienen mir Dunkelheit, Sturm und Regen als Gründe absolut auszureichen, den Umstieg von Fahrrad auf Bahn zu rechtfertigen.

Wir schreiben jetzt das Jahr 2012 und etwas ist anders. Etwas ist im Gegensatz zu den vorherigen Jahren ganz entschieden anders gelaufen.

Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr solange mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren (und wieder zurück!), wie ich Lust dazu habe. Egal ob es dunkel ist oder nicht. Wenn es draußen schütten sollte, spielt das noch immer eine Rolle bei meiner Entscheidung zwischen Bahn und Rad. Aber so generell will ich das Radeln durchziehen. Weitere Ausnahmen sollen nur möglich sein, wenn wir minus 20°C haben, alles vereist ist oder es schneit wie blöd. Ansonsten will ich radeln. Freddy ist nach seinem kürzlichen Werkstattaufenthalt gut gerüstet. Klamotten habe ich eigentlich auch genug. Fehlte das Licht.
Bei solch strategischen Fragen vertraue ich auf die Meinung anderer (ich selbst halte mich für zu blöd dafür) und überlasse Gevatter Zufall das Spielfeld. Auf den ist immer Verlaß. Ich sollte mich nicht irren. Eines schönen Tages flatterte ein Tweet durch meine Timeline, der einen Verweis auf eine Fahrradleuchte hatte. Neugierig und eh schon für das Thema sensibilisiert folgte ich dem Link und traf auf diese Fahrradlampe:

Owleye – ein Eulenauge.

Mit Solarunterstützung. „Nerdig“, schoß es mir durch den Kopf, der beim Anblick des Preises jedoch sofort Handzittern bekam. „Ach du meine Güte!“, waren die nächsten Worte, welche das Zittern durch den ganzen Körper leiteten.
Dann siegte das Verlangen. Eine solarstrombetriebene Fahrradlampe hatte ich noch nie besessen. Außerdem gab mir der Solargedanke eine hinreichende Entschuldigung vor meinem Gewissen und meiner Familie in die Hand: Das ist ne Öko-Lampe! Ich malte mir aus, dass ich den Umweltgedanken nur genügend herausstreichen muss, um den Kauf des Owleye rechtfertigen zu können. Und was soll ich sagen – ich habe mich nicht geirrt. Dummerweise musste ich versprechen, das Owleye auch zu nutzen und dazu muss es eben dunkel sein. Oder Nebel muss einen Schleier über den Radwegen abwerfen.

Und jetzt nach meinem Urlaub, in welchem wir unter anderem die Zeitumstellung feierten, bin ich bereits eine Woche mit dem Rad gefahren. Abends sogar im Dunkeln! Ich bin kein einziges Mal vom Rad gefallen oder gegen irgendwelche unschuldigen Bäume oder Passanten geknallt. Obwohl es durchaus Versuche in dieser Richtung gab! Von den anderen natürlich.

Meine Erfahrungen mit dem Owleye

Das Owleye ist eine beeindruckende Fahrradlampe. Ziemlich leicht, mit einem USB-Anschluß und einem Drücker auf der hinteren Seite und dem Lichtauswurfschacht auf der Vorderseite. Ich hatte das Owleye zunächst ziemlich planlos am Lenkrad befestigt, was ein Ausleuchten des rechten Radwegrandes und der Felder rechts davon zur Wirkung hatte. Das Gebiet VOR dem Fahrrad lag trotz Lampe weitgehend im Dunkeln. Eine gefährliche Situation, der man entweder durch kurze, aufhellende Momente mittels periodischem Lenkerschlenkern begegnen kann (also wenn der Lichtstrahl kurz das Gelände beleuchtet, welches man Nanosekunden später mit vollem Karacho passieren wird) oder durch bessere Befestigung der Lampe am Fahrradlenker begegnen kann. – Ich habe zunächst erstere Methode versucht, fühlte mich dabei aber recht unwohl, weil ich auf Nichteingeweihte wie ein Besoffener gewirkt haben muss. Außerdem birgt das ständige Geeiere in tiefster Nacht auch nicht gerade wenig Tötungspotential.
Nach ungefähr 15km hielt ich zähneknirschend an, korrigierte den Sitz der Owleye-Lampe in eine nicht für möglich gehaltene Position am Lenker und …. fuhr nun mit einem annähernd geradeaus gerichteten Lichtstrahl weiter. Ich kam zu Hause an. Das war am ersten Einsatztag.

Die folgenden 4 Owleye-Testfahrten liefen wesentlich besser. Auf der ersten Teilstrecke, wo Radweglampen aus (vermutlich ökologisch bedingten) stromsparenden Gründen gar nicht erst aufgebaut wurden, herrscht absolute Dunkelheit, welche durch die parallel fahrenden Autos nur mangelhaft ausgeleuchtet wird. Außerdem blendet entgegenkommendes Autolicht grauenhaft.
Ich schaltete das Owleye auf „FullPower“ und richtete den Strahler auf etwas größere Entfernung. Der Lichtstrahl hinterließ ca. 8m vor mir einen hellen Fleck auf dem Radweg. Die Wirkung in des war enorm und entspricht ungefähr einen aufgeblendeten Licht vom Auto. Brutales Lichtfeuerwerk. Weit entfernte Schilder, Katzenaugen gegnerischer (und normalerweise unsichtbarer) Fußgänger, Begrenzungsreflektoren reißen erstaunt die Augen auf und leuchten wie von selbst. Der Hammer! Mit der Leistung bin ich mühelos in der Lage, Autos zurückzublenden. Als ich einen Moment lang aufgrund eines leichten Bergaufstücks den Strahler gen Himmel richtete, drehte sogar ein Flugzeug wütend brummend ab! So eine geniale Leuchte ist mein Owleye! Ich suche noch die Möglichkeit, das Licht weiter zu bündeln, um mir daraus dann ein Lichtschwert zu basteln.

Wenn andere Radler mir entgegenkommen, muss ich jedoch anerkennen, dass diese ebenfalls mit mörderischen Lichtwerkzeugen ausgestattet sein können. Dann drücke ich den Drücker am Owleye noch einmal und aktiviere so das Abblendlicht. Die Lichtausbeute ist merklich geringer, sorgt aber immer noch für richtig gutes Licht auf dem Radweg. Bei sowieso beleuchteten Wegen und in der Stadt ist außerdem eine gute, weit sichtbare Signalwirkung nicht zu verachten. „Hier komme ich!“. Ich habe in dem Modus den Eindruck, dass ich immer noch blendend aussehe, was ich mit einem Abwinkeln der Lampe abschwäche; die Lampe also auf den Raum ca. 3m vor dem Rad ausrichte.
Ich wünsche mir, dass andere Radfahrer dies ebenso machen würden, denn mitunter habe ich das Gefühl, ziemlich orientierungslos auf einen Zusammenprall oder eine Querfeldeineinlage zuzusteuern, wenn ich entgegenkommende Blendmaschinen passieren muss. Bin gespannt wann der erste Battle ansteht im BikeWars. Ausgetragen mit Radleuchten!

Außerdem verfügt die Owleye-Lampe noch über einen Blinkermodus, den ich erst ein, zwei mal bei Nebel ausprobiert habe. Tageslichtigem Nebel! Nachdem die Reaktionen darauf eher belustigt auf mich wirkten, habe ich den Modus geknickt. Ich muss ihn aber immer wieder mal kurz passieren, wenn ich vom Abblendmodus in den Fulllight-Modus umschalte. Die Schaltkette der Owleye-Fahrradlampe ist nämlich: Aus -> Full-Light -> Half-Light -> Tatütataaa -> Aus. Rückwärtsschalten geht nicht. Doch ist das ein sehr geringes Manko.

Das Aufladen über die Solarzellen dauert und getaltet sich außerdem schwierig. Ich habe den Eindruck, dass wirklich direktes Licht auf die Solarzellen fallen muss, damit eine nennenswerte Ladeleistung erzielt wird. Einmal habe ich Lampe direkt auf einen Lampenschirm gelegt, um zu testen, ob das Aufladen über Solarenergie überhaupt funktioniert. Und das tat es wirklich!
Wenn man aber so wie ich zur Zeit auf Power angewiesen ist, dann hängt man die Lampe mit dem USB-Kabel an einen Rechner. Das Laden via USB dauert zwar auch recht lange, aber es tut zuverlässig.

Fazit: Die Owleye-Fahrradlampe ist ein Wunderwerk der Fahrradlichtindustrie. Die Lichtausbeute ist genial und eindrucksvoll. Der Fahrweg wird sehr gut ausgeleuchtet. Nur bei Kurven liegt dieser stets im Dunkeln, weshalb der Trend wohl nicht umsonst zur Helmleuchte geht. Ganz so schnell wie bei Tageslicht kann ich mit dem Owleye nicht fahren. Ich muss aber nicht nennenswert auf die Bremsen treten. Trotzdem fahre ich bei Dunkelheit natürlich vorsichtiger. Die Owleye-Fahrradlampe unterstützt mich dabei vortrefflich. An ihr wird es nicht liegen, wenn ich irgendwann vielleicht mal die Lust verliere, im Dunkeln ins Büro und wieder zurück zu fahren. Eher sorgt sie dafür, dass ich liebend gern weiter damit rumspielen werde! Und dazu muss ich halt fahren! 😉

Und weil halt bald Weihnachten ist, kann ich diese Lampe wirklich als Weihnachtsgeschenk empfehlen. Wenn gerade nicht Weihnachten ist (was ja vorkommen soll), dann ist diese Leuchte auch ein gutes Geschenk für Radler! Denn – auch im Sommer wird’s mal dunkel!

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Der nächste Artikel mit und über Freddy: Freddy reloaded.

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