Freddy reloaded I – Das Leiden

Diese Story kommt in zwei drei Teilen …. das hier ist der erste!

Neulich letzte Woche – kurz vor dem Erreichen des gesetzten Zieles: Freddy – mein Crossbike hat die Schnauze voll. Die vergangenen Wochen knarzte und knackte Freddy bei den Ausfahrten immer mehr. Tritt – knack – Tritt – knack – Tritt – knack … u.s.w. Ein Behandeln der Kette mit WD40 half gar nichts. Das Wundermittel versagte auf ganzer Linie. Vermutlich weil Kette und Schaltung überhaupt nicht Schuld waren an den Gebrechen. Eine kurze Recherche im Netz ergab entweder Probleme in den Trittlagern oder die Pedale selbst. Für beides habe ich keine Heilmethoden parat. Geschweige denn das nötige Werkzeug. Ich bin ein User, kein Guru!

Neulich letzten Mittwoch auf der Fahrt vom Büro nach Hause überwand ich meine Scheu und fuhr in Meckenbeuren bei den Fahrradflüsterern von Saikls ran. Eigentlich wollte ich nur fragen, wie die Auslastung der Werkstatt ist und wann die Chance besteht, dass mein Freddy unters Messer kommen kann. Ich weiß – ein selten blödes Vorhaben. Es ist Frühling. Letzte Woche war sogar Sommer. Im April! Natürlich kam da kein Mensch außer mir auf die Idee, ein Fahrrad in eine Werkstatt zu bringen! Ha!

Die Werkstatt-Tafel, welche das Programm der Reparaturfreaks visualisierte, war knüppeldicke voll. Ich nahm das zur Kenntnis und wollte schon resignieren, aber eine weibliche Fahrrad-Guruine erklärte das Tafelschmierere für völlig überholt. „Eigentlich wissen wir gar nicht was wir tun sollen den ganzen Tag.“ – Es dauerte nur ca. 2 Quadratsekunden bis ich merkte, dass sie mich auf den Arm nahm. Dabei war sie mindestens einen Kopf kleiner als ich!

Dennoch durfte ich Freddy – das Crossbike – vorführen.

Crossbike Centurion Cross Line 600

Crossbike Centurion Cross Line 600

Ich holte es von draußen rein und bemerkte ein neues Leiden, welches sich das Rad wohl erst auf den letzten Kilometern(?) zugezogen haben muss, das aber bisher selbst von mir unbemerkt geblieben war: Asthma! Ja! Der Hinterreifen litt ganz offensichtlich an Atemnot. Er war schon ziemlich platt und zeigte mir das auch. Ich meine sogar ein verächtliches Zischen gehört zu haben, als ich prüfend den Bauch des Reifens zusammenpresste. Heute war mein Glückstag! Mit der kaputten Lunge im Hinterrad wäre ich definitiv nicht bis nach Hause gekommen. Wer weiß, in welchen unwirtlichen Landstrichen ich gestrandet wäre? Ein wohlwollender Fahrradgott hatte mich wohl behutsam zur Werkstatt geleitet.

In der Fahrradklinik nahm sich der diensthabene Chefarzt Freddy behutsam zur Seite und ließ prüfend sein geschultes Auge darüber hinweggleiten. „Es ist ziemlich dreckig.“, wagte ich das Offensichtliche auszusprechen. Als ob es zu übersehen war, dass Freddy vor Dreck stand. Dabei hatte ich ihn erst vor 4 Wochen geputzt. Sogar mit einem Lappen! Jawohl! Die Bremsen machten dem Radschamanen Sorgen. Das sah ich an der gerunzelten Stirn! Ich bin gut im Beobachten von Leuten die was tun was ich nicht verstehe! Ich verstehe zwar meistens hinterher von der Sache an sich immer noch nichts, aber ich habe beobachtet. Das hält einen geistig auf Trab! Egal. Der Guru murmelte verschiedene Beschwörungsmantras. Ich vernahm einzelne Fetzen: „… putzen … Kassette … Kette … Bremse … putzen … “ So genau weiß ich es nicht mehr. Es sind ja auch seit dem schon 6 Tage ins Land gegangen.
Auf jeden Fall durfte ich Freddy der Obhut der Profis überlassen. Bis kommenden Montag würde es auf jeden Fall dauern, versprach man mir, was ich zur Kenntnis nahm und zum Bahnhof in Meckenbeuren trottete, um mich der Bahn in den Zug zu werfen.

Das war letzte Woche. Ich fuhr seit dem tapfer Bahn. Das Wetter spielte mit. Der erste Sommer fand nämlich am letzten Freitag ein jähes Ende und ging gnadenlos in der Nacht auf Samstag in den Winter über. Es schneite. Samstag morgen rausgucken – alles weiß! Um halb Elf nochmal rausgucken – mehr grün als weiß. Die Welt war auf dem Weg der Besserung. Aufstehen.

Tja … und gestern war der Montag. Der Montag an dem Freddy – das Schlacht-Crossbike aus der Fahrradklinik entlassen werden sollte. Ich hatte nicht geplant, Freddy eine ausgiebige Reha zu gönnen. Immerhin galt es die verlorenen Kilometer wieder aufzuholen. Die nahe, magische Marke von 1kkm lag in nur 90km Entfernung greifbar nahe.

Montagmittag erreichte mich im Büro ein Anruf von zu Hause. Der behandelnde Arzt hatte angerufen und irgendwas von einem großen Problem gefaselt. „Sie wissen nicht was sie tun sollen. Du sollst umgehend da anrufen.“, erzählte mir meine Frau etwas aufgelöst.
OMG – wenn einen werktätigen Menschen mitten in der Ausübung seines verantwortungsvollen Jobs solche wage Neuigkeiten erreichen, dann möchte ich den sehen, der dann nicht in wilder Panik zum Telefon stürzt. … Ich holte mir erst einmal einen Kaffee. Kaffee-Defizite vergrößern die Chance, solche stressigen Ausnahmesituationen lebend zu überstehen nämlich auf gar keinen Fall. Also machte es auch nichts, wenn ich dem vorbeugte.

Dann rief ich an.

Ich hatte nach kurzem Klingeln die Telefonzentrale (die Kasse im Laden!) am Apparat. Nach kurzem austauschen von höflichen Plänkeleien reichte ein fragendes „das braune Centurion?“ aus, um mir ein eingeschüchtertes „Genau.“ zu entlocken. Wenige augenfeuchte Augenblicke später wurde ich zum Chirurgen in den OP durchgestellt.
„Tja …. also die vordere Bremse. … Junge, junge. … Was haben Sie mit dem Fahrrad gemacht?“
– „Benutzt?“, warf ich ängstlich fragend ein. … Doch meine Worte drangen nicht zum hochkonzentrierten Diagnostiker durch.
„Aber da ist ziemlich viel korrodiert und die Bremse … Nun, ich glaube wir haben sie vor wenigen Augenblicken  retten können. Das war nicht einfach. Ich glaube, dass könnte klappen. JA – ich denke, Sie können das Rad heute Abend abholen.“

Ein Stoßseufzer der Erleichterung durchfuhr meine verzagte Radlerseele. Freddy musste offenbar nicht notgeschlachtet werden. Keine Abschiedsszene. Keine Tränen. Nur Huldigungen und Lobpreisungen der Fahrradgötter von Meckenbeuren. „Ich komme morgen früh gleich vorbei und hole es“, jauchzte ich zufrieden in den Telefonhörer.
Ein „Aber ich weiß nicht ob dann schon jemand da ….“ hörte ich kaum noch …

Heute früh war dieses „Morgen früh“. Ein glückseliger Tag sollte es werde. Das Wiedersehen mit Freddy. Ein erster und zweiter Ausritt nach dem Klinikaufenthalt. Freude pur.

Es sollte anders kommen.

Doch das ist Thema der nächsten Geschichte. Dieser Tag hielt einige Überraschungen für mich parat. Ich will nur soviel verraten: es gibt keine Toten und ernsthaft verletzt wird auch niemand.

Stay tuned … hier kommt Teil 2 der „Freddy reloaded“-Triologie. Teil 3 mit dem Titel „Freddy reloaded – Der laute Tod“ ist ebenfalls bereits erschienen.

3 Antworten

  1. 23. April 2013

    […] Der nächste Artikel mit und über Freddy: Freddy reloaded. […]

  2. 23. April 2013

    […] […]

  3. 24. April 2013

    […] schreiben das Jahr 2013. Der April geht an seinem 23. Tag dem Ende entgegen. In Freddy reloaded – das Leiden und Freddy reloaded II – Die Genesung hast du viel Wissenswertes erfahren, was für diesen […]

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