Fermacell-Platten zuschneiden und montieren

Heute haben wir wieder einen Nachmittag inmitten unserer neuen Räumlichkeiten damit verbracht, die letzten Fermacell-Platten im Erdgeschoss an die Holzständer zu bekommen. Ich denke daher, dass es mal an der Zeit ist, die Chose mit diesen Fermacell-Platten ein wenig näher zu erläutern. Ich muss mich dabei aufs Wort verlassen, denn einen Dokumentarfilm habe ich nicht vor zu drehen.


Fermacellplatten bestehen aus Recyclingpapier, Gips und Wasser. Erstere werden mit Hilfe von Wasser zu einer Pampe verquirlt und dann mittels Druck zu Platten zusammengepresst. Das Zeug ist so sehr ineinander verliebt, dass die Stoffe ohne zusätzliche Bindemittel eine sehr starke Bindung eingehen. Damit sich die Platten auch irgendwie verarbeiten lassen, werden sie nach dem Trocknen zugeschnitten. Wir haben hier am Bau jetzt Platten in den Maßen 1,25 x 2,50m herumliegen. Die Platten sind dabei dick. Ähm ja … also 12,5mm oder 15mm. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung wie dick die sind. Wir tendieren aber nach einer kurzen gemeinsamen Besprechung, einiger kleinerer Skizzen und ein wenig Recherche über die überhaupt vorhandenen Möglichkeiten 😉 zu ersterer Variante. [Update: Es sind 15mm-Platten!]

Aufgrund dieser Angaben kann man sich überhaupt nicht ausrechnen, wie schwer so eine Platte ist. Fast ebenso unmöglich ist es, aus dem Bauch heraus zu erkennen, wie unhandlich die Platten zu tragen sind. Aufgrund der Maße und dem Gewicht der Platten bedeutet dies: körperliche Arbeit! Falls du mal in die Verlegenheit kommen solltest, dass dir Arbeiten mit Fermacell-Platten ins Haus stehen, stelle dich also auf physische Belastungen ein. Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Da die Platten nun so schwer und unhandlich sind, werden normalerweise die Platten, welche im Obergeschoß gebraucht werden unter Zuhilfenahme schweren Baugeräts (z.B. Kran) bereits oben auf den Boden gelegt. Dann kann man die ohne Riesenschlepperei (von der es trotzdem noch genug gibt) gleich oben verbauen. Zum ersten mir bekannten Nachteil komme ich gleich. Oder später.

Die Fermacell-Platten für das Untergeschoß lagern draußen vor dem Haus. Auf einer Palette. Unter einer Plane. Unter einer Plane, die ziemlich wasserdicht sein sollte. Denn regnet es, und die Platten werden nass, kannst du das Verarbeiten der Dinger knicken. Erinnerst du dich: Papier + Gips + Wasser. Getrocknet. Jetzt gib Wasser wieder dazu …. Bingo!

Auch so schon brechen die Platten trotz ihrer Dicke manchmal einfach so durch. Diese Erfahrung mussten wir auch machen. Auch darauf komme ich gleich nochmal zurück.

Und wie halten die Platten an der Wand? Werden die nur so dagegen gestellt und gut ist? Pustekuchen! Ich erkläre dir das mal an einer Beispielplatte.

Unsere Wand ist 2,50m hoch. Nahezu durchgängig. Ohne Fußbodenaufbau. Die Wände werden montiert, bevor der Fußboden in die Bude kommt! Da muss ich als Vorbemerkung an dieser Stelle noch einstreuen. Doch jetzt fangen wir an, eine Fermacellplatte an die Wand zu donnern.

Zunächst wird an der Decke ein Schaumstoffstreifen angeklebt. Das geht ganz easy, weil der Streifen an einer Seite einen Klebestreifen hat, den man einfach abziehen kann. Mit dem Klebestreifen zur Wand wird der Schaumstoff genau an der Kante entlang angebracht. An der senkrechten Kante die an eine andere Wand anschließt, wird munter weiter geklebt. Jetzt komme ich zum Problem mit diesen Platten: Der Kunststoff hat eine gewisse Breite, über die hinaus er sich nicht weiter zusammendrücken läßt. Diese wenigen Millimeter stören aber gewaltig wenn ich eine 2,50m hohe Platte an eine 2,50m hohe Wand montieren will. Das geht einfach nicht zusammen. Außerdem soll aus Gründen unten ein ca. 1-1,5cm großer Spalt bleiben. Das bedeutet: zuschneiden. Oder genauer formuliert: unten müssen ca. 10-15mm weg. Dies hat auch montagetechnische Gründe, auf die ich gleich nach dem Zuschneiden zu sprechen komme. (Ich merke gerade, dass ich in diesem Text fortwährend Ankündigungen mache.)

Also eilt man hinaus an die frische Luft und zum Haufen Fermacell-Platten. Hier misst man dann die erforderlichen 10-15mm an der kurzen Seite ab und … greift zur Handkreissäge. Hat man eine durchgehende Linie gemalt kann der ungeübte Handwerker gern versuchen mittels lockerer Freihandführung die mörderisch kreischende und herumdreckende Handkreissäge entlang der Linie zu führen und so die gewünschten Zuvielmillimeter vom Rest der Platte zu trennen. So habe ich das bei den ersten 3 Platten gemacht. Sie wurden schief. Das war vorhersehbar. Schief übrigens immer auf den letzten Zentimetern. Vermutlich war ich froh, dass ich es gleich geschafft habe, das Ungetüm zielführend im Zaum zu halten. Also habe ich die letzten Stückchen verrissen. Ist wie beim Biathlon: der letzte Schuß!

Man muss das natürlich nicht so tun. Es gibt nämlich Führungsschienen für sowas. Damit spart man sich das zeitraubende Liniengemale auf der Platte und hat einen sicheren Schub für die Handkreissäge! Unsere wackere Zimmerleute liehen uns ihre Schiene aus, so dass ich ab Tag 2 auch ordentlich zuschneiden konnte. Funktioniert mittlerweile wie im Schlaf. Wenn richtig gemessen wurde – aber das ist eine andere Sache. *g*
Ich finde, dass es an dieser Stelle durchaus angebracht sein sollte, einen echten Pro-Tipp anzubringen:
[green_box]Wenn du eine Handkreissäge hast, die „schnitttiefenverstellbar“ ist, dann nutze diese Eigenschaft zu deinem Vorteil. Zeichne z.B. einmal die Zuvielmilimeter an und säge gleich bis zu 4 Platten![/green_box]
Das geht! Ich habe das nach weiteren 3 Platten von selbst gemerkt. Hat mir keiner gesagt. War aber Zufall, weil sich beim Transport der Handkreissäge der Feststellhebel für die Schnitthöhe gelockert hatte und die von den Zimmerleuten eingestellte Schnitttiefe dammit gelöscht worden war. Ich setze an und plötzlich neigt sich das Sägeblatt viel weiter nach unten … Meine Güte, ich habe gestaunt. 😀

Außerdem sah ich aus wie eine Kalkwand. Oder eine Wildsau. Oder ein Arbeiter, der gerade ziemlich viel Staub aufgewirbelt hat. Beim Sägen werden nämlich die Sägespäne wird der Sägestaub einfach nach hinten geblasen. Also zu dir. An die Arme, Beine und was sonst noch so hinter der Hand mit der Kreissäge herumlungert. Kommt dann noch der Wind gescheit … Hossa. Erst mal Brille putzen.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Wir haben nun eine 2,49m hohe Fermacellplatte auf dem Stapel vor dem Haus liegen. Versuche mal die Platte jetzt zu der Wand zu tragen, an die sie rankommen soll. Vergiß es. Geht nur zu zweit. Am geschicktesten trägt man die Fermacellplatte quasi hochkant. Erstens passt man so viel besser durch Türen, und zweitens bricht das Teil nicht so leicht durch. Und sowieso wollte ich sagen, dass ab jetzt zwei Personen im Spiel sind: ein Schraubär und ein Nichtschraubär. Der Nichtschrauber hat ein Stemmeisen in Reichweite, der Schrauber einen Magazinschrauber, der – in unserem Fall – ein Akkuschrauber mit Schraubvorsatz und mit einen Schraubengurt voller 3,9 x 30 mm Schrauben aufmunitioniert ist. (Die Maße habe ich gerade bei Fermacell abgeschrieben!)

An der Wand angekommen (die wir vor ca. 5min verlassen hatten!), stellt man die Fermacellplatte erst einmal schräg gegen die Wand, an die sie ran soll. Nicht zu schräg, eher schon ziemlich nahe senkrecht. Jetzt greift der Nichtschraubär zum Stemmeisen, der Schraubär vergewissert sich, dass seine Waffe in Reichweite ist. Der Schrauber kippt die Fermacellplatte so ein wenig an (viel geht sowieso nicht mehr), dass der Stemmer oder Nichtschrauber mit dem Stemmeisen drunter kommt. Jetzt kann der Nichtschrauber die Platte ein wenig nach oben drücken, so dass die Oberkante der Fermacellplatte in den Schaumstoff drückt, der zuvor dorthin geklebt worden ist. Mittels leichter Links- oder Rechtsdrehung des Stemmeisens, kann die Platte auch horizontal bewegt werden, was für den nötigen Feinschliff sorgt. Hat man die Platte ordentlich an die Wand gestemmt, greift der Schrauber zum Magazinschrauber und semmelt mal eben links und recht je 2-3 Schrauben durch die Platte. Im Idealfall an solchen Stellen, wo sich ein Holzbalken dahinter befindet. Auf diese Art und Weise fixiert fällt die Fermacellplatte nicht mehr um und der Nichtschrauber kann das Stemmeisen einziehen und wieder anfangen zu atmen. 😉

Ich habe gerade nachgesehen: wir benutzen einen Hilti Trockenbauschrauber SD 5000 mit Schraubenmagazin. (Obacht: auf der Seite rasselt sofort ein Video los!)
Jetzt müssen nur noch alle 15 – 20cm Schrauben versenkt werden. Wirklich versenkt! Ein Kinderspiel sollte man denken, aber … Nachtigall, du hörst mich fluchen.

Meine Güte – 1300 Wörter bis hierher. Tja … im Grunde war’s das auch. Vielleicht folgt noch ein Teil zwei dieser nervenzerfetzenden Story vom Zuschneiden und Montieren von Fermacellplatte. Es gibt da noch einiges zu beachten und falsch zu machen. Aber nur wenn jemand Interesse daran hat.

An dieser Stelle sei der Dank an die Zimmerleute erneuert, weil sie uns die Handkreissäge, die Führungsschiene sowie die Bohrmaschine samt Schraubvorsatz netterweise leihen. Habt Dank dafür (auch oder gerade weil ihr heute ein wenig merkwürdig drauf wart, oder? Haben wir was falsch gemacht? *beschäftigt mich schon den ganzen Tag*)

3 Antworten

  1. Martin sagt:

    Bei den Schrauben, die man jede 15 bis 20 cm versenken sollte, sollte man Schrauben verwenden, die nicht rosten können (z.B. Verzinkte), da man sonst nach kurzer Zeit, wenn man endlich fertig ist, plötzlich ein zusätzliches Muster an der Wand hat 😉

    In feuchten Räumen hilft zusätzlich ein kleines Quadrat Alu-Folie über jede Schraube (mit Tapeten-Kleister) – sonst bekommt man in Küche auch mal ein Muster, nur zeitlich nach 3…, 4…, 5 Jahren!

  2. Emjaak sagt:

    Technik ist alles 🙂

    davon kann ich nur träumen … ne Hilti mit Schraubvorsatz und Magazin … wie würde Tim der heimwerkerking sage oaarr oaar oaar…

    und ich quäle mich mit Fermazellplatte + Akkuschrabär und Schnellbauschrauben in Personeneinheit des Nichtschraubärs und des Schraubärs mit nur 2 Händen auf einer Leiter ab

    P.S. Für die Innenzuschnitte, kann man einen Staubsaugerschlauch ans Ende der Kreissäge anschließen (wenn’s nicht ganz passt – ein wenig Isolierband um den Schlauch wickeln bis der Durchmesser zum Durchmesser der Öffnung passt) und am anderen Ende hänge man Großmutters alten Staubsauger … auf jeden Fall nicht unbedingt den neuen aus Muttis Putzkiste… weil sonst gibt’s Nudelholzbeulen 😉

    Wenn du dann den Staubsauger vor dem Sägen mit der Säge, dem Schlauch und dem Strom verbindest, und dieser dann nicht wie in meinem Fall http://www.evelyn-maurice.de/?p=172 tödlich verunglückt… sollte der meiste Staub während des Sägens im Beutel landen…

    Also viel Spaß und gut weiterschraub!!!

    • Themenmixer sagt:

      Ähm … genauso haben wir es innen gemacht. Bis .. ja bis der „Adapter“ gebrochen ist. Zum Schluss half dann der enorme Durchzug. 🙂

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