Ich wünsch mir was: einen Fahrradrucksack mit vielen Taschen

Ein guter Fahrradrucksack altert mit seinem Träger. In der Regel stirbt er jedoch weit vor diesem. Mein Fahrradrucksack stirbt gerade einen langsamen Tod. Deshalb wünsche ich mir einen adäquaten Nachfolger. Die Erfüllung dieses Wunsches ist aber schwerer als angenommen.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr genau, wann ich meinen Fahrradrucksack gekauft habe. Es ist ein VAUDE-Rucksack und ich meine mich zu erinnern, dass ich ihn im VAUDE-Werksverkauf in Obereisenbach gekauft habe. Mehr Erinnerungen habe ich nicht mehr an den Vorfall. Nicht einmal an den Zeitraum. Ich kann auch gar nicht mehr genau sagen, was für ein Rucksack das ist, denn alle beschreibenden Merkmale sind inzwischen bis zur Unkenntlichkeit abgeblättert oder verblichen.

Radrucksack mit Auflösungserscheinungen

Meine jahrelanger Begleiter löst sich langsam auf: Fahrradrucksack von VAUDE.

Mein Rucksack hat mir viele Jahre lang Freude bereitet und mir treue Dienste geleistet. Das er mein Rucksack wurde hat er mehr oder weniger einem entscheidenden Fakt zu verdanken: der Rucksack hat einfach die richtige Anzahl an Taschen an den richtigen Stellen. Natürlich definiert jeder diese Eigenschaften anders, aber hier zum Verständnis mal meine Sicht auf den idealen Fahrradrucksack:

  1. großes, geräumiges Hauptfach, mit einem getrennten Fach für Papierdinge, die nicht knittern sollen. Groß genug, um ein komplettes Set an Wechselklamotten, Kabellage für diverse Dinge, Surface und weiteres Zeug.
  2. eine kleine Tasche mit Reißverschluß gleich oben am Griff. (ideal für Wechselgeld in loser Form, Schlüssel, Kamera-Akku, Einkaufswagenmarken, Zeug)
  3. eine große Vordertasche für Geldbeutel, Notizbuch, Stifte, Batterien, USB-Sticks, Zeug)
  4. eine kleine Seitentasche, die sich unter der Vordertasche hindurch schmiegt. (mein bevorzugtes Fach für Bonbons)
  5. an jeder Seite ein Netzfach (Trinkflasche, Handschuhe, Zeug)
  6. unter dem Hauptfach ein separiertes, in einzelne Taschen unterteiltes Fach für Fahrradwerkzeug. (Wechselschlauch, Luftpumpe, Werkzeug, Putzlappen, Flickzeug)
  7. Und darunter nochmal ein kleines Fach für den Regenschutz.

Das ist eine eigentlich recht übersichtliche Anzahl an Taschen. Es ist quasi die für mich erforderliche Mindestanzahl an Rucksacktaschen, die ein alltagstauglicher Fahrradrucksack eben haben muss. Hat ein Rucksack diese Taschen nicht, ist es kein Fahrradrucksack für mich, sondern eine Krücke. Ich muss das mal so rigoros sagen, denn nachdem ich neulich erneut im VAUDE-Werksverkauf war, drängte sich mir der Eindruck auf, dass die Rucksackdesigner alle von der Muffe gepufft sind. Beim Design aktueller Rucksackmodelle wurde offenbar das Hauptaugenmerk auf Reduktion gelegt. Das Weglassen von Komponenten erwischte wohl als erstes die Taschen und Netze. Denn was ich in der stattlichen Auswahl an Rucksäcken bei VAUDE fand, ließ mich schier vom Glauben abfallen: kein einziges fahrradtaugliches Modell hatte die ausreichende Anzahl an Fächern und Taschen. Alle hatten weniger zu bieten. Dabei war es vollkommen egal, ob es sich nun um einen Wanderrucksack oder Fahrradrucksack oder Einfachnurrucksack handelte. Es war wie verhext.

Ok – ich habe den Versuch unternommen, ein lokal ansässiges Unternehmen mit meinem Kauf zu beglücken. VAUDE hat aber hierbei voll abgeloost.

Folglich begebe ich mich nun in die Weiten des Web, um vielleicht dort fündig zu werden. Bereits nach kurzer Recherche zeigt sich jedoch, dass ich den für mich idealen Fahrradrucksack mit der Lupe suchen muss. Ist es nicht verwunderlich, dass nahezu alle Rucksackhersteller an der Reduktionskrankheit leiden?

Dennoch habe ich ein paar Modelle gefunden, die ich zumindest mal testen würde. Und diese sind …

Fahrradrucksack Rock Surfer von Jack Wolfskin


Dieser Radrucksack scheint auf den ersten Blick groß genug zu sein und über eine ausreichende Anzahl an Fächern und Taschen zu verfügen. Interessant finde ich die Taschen in den Schultergurten, wobei sich mir deren Sinn nicht erschließt. Die Tasche am Beckengurt ist prima und würde wohl meine oberste Tasche ersetzen können.
Lese ich mir jedoch die Rezensionen durch, relativiert sich der gute Eindruck etwas. Viel Kunststoff und die verarbeiteten Nähte lassen an einer langen Lebensdauer zweifeln. Auch die Beschreibung des wohl zu kurz geratenen Beckengurts macht keinen guten Eindruck. Ich muss gleich an meinen Saisonstart denken, wenn ich naturgemäß fülliger in das Fahrradjahr starte.
Dennoch würde ich den Rucksack gern mal testen.

Deuter Rucksack Trans Alpine


Der Deuter-Rucksack ist wohl kein echter Fahrradrucksack, scheint aber ebenfalls alltagstauglich mit dem Fahrrad zu sein. Der Rucksack hat ein Bodenfach – das finde ich gut, würde ich dort wohl vermutlich wieder mein Werkzeug verstauen können. Die kleine Seitentasche, welche quasi auf der Rückseite ist, klingt auch interessant für Schlüssel und anderes Kleinzeug. Die versprochenen 30Liter Fassungsvermögen sind auf jeden Fall ausreichend. Nützlich sind die beiden Seitennetze!
Der Trans Alpine wäre jedenfalls auch ein lohnender Testkandidat.

EVOC Protektor Rucksack FR Enduro Blackline


EVOC habe ich heute zum ersten Mal wahrgenommen. Der Rucksack scheint alle Voraussetzungen zu erfüllen, die ich an einen Fahrradrucksack habe. Gewöhnungsbedürftig wäre das prominente Werkzeugfach an der Vorderseite des Rucksacks. Aber es ist da und auch gut separiert, so dass nicht viel Werkzeug und Zubehör umherirren würden. Der Rückenprotektor ist sicher sinnvoll, aber nicht Bedingung für mich. Ich habe nicht vor, diese Funktion zu testen und bei meinen bisherigen Fahrradunfällen bin ich nie mit dem Rücken aufgekommen. Was mich an dem EVOC-Rucksack stört ist der Fakt, dass trotz des stolzen Preises kein Regenschutz mit dabei ist! Den muss man für ca. 15€ dazu kaufen. Für mich völlig unverständliche Preistreiberei des Herstellers. Trotzdem gebe ich diesen Radrucksack (bzw. EVOC-Rucksäcken im Allgemeinen) am ehesten das Prädikat: nahe am (ungetesten) Perfektionismus.

Fazit

Bei näherem Hinsehen gibt es doch noch Rucksäcke für’s Fahrrad, die genügend separierten Stauraum bieten. Gerade die verschiedenen EVOC-Modelle haben mich positiv überrascht. Nachteil hier sind die fehlenden oder dunklen Regenbezüge. Die Frage des Rezensenten zum EVOC Performance Explorer, wie man auf die Idee kommen kann, einen Regenschutz in Schwarz statt Leuchtfarben dazuzupacken, kann ich durchaus nachvollziehen. Dennoch – ich würde wohl eher zu einem EVOC-Rucksack tendieren, als auf einen der anderen Hersteller zurückzugreifen.
Sicher sind die Preise bei EVOC stolze Hausmarken, aber deshalb heißt dieser Artikel ja auch: Ich wünsch mir was: einen Fahrradrucksack mit vielen Taschen.

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