Blähton – Fluch oder Segen im Hausbau?

Dieser Artikel ist dem Blähton gewidmet. Wer jetzt an was ganz und gar widerwärtiges denkt, der sollte weiterlesen. Es wird spannend!

Ich gebe es zu: manchmal surfe ich auf meinen eigenen Seiten! Ich bin so. Eigentlich müsste ich meine Seiten ja in- und auswändig kennen; Überraschungen ausgeschlossen. Doch gerade eben riss ich verblüfft die Augen auf: da stand eine Werbeanzeige. Das allein ist auf themenmix.de keine Seltenheit. Verwirrender war der Inhalt selbiger: „Massivhäuser aus Blähton„.
Beim Anblick dieser Headline begannen sofort einige meiner Lachmuskeln in nervöse Zuckungen zu verfallen. Ich war kurz davor mächtig zu wiehern. Das Wort „Blähton“ erzeugte gar eindeutige Assoziationen in meinem Hirn. Wem, frage ich, geht das nicht so?

Ist Blähton schon allein ein tolles Wort, gewinnt es im Zusammenspiel mit „Massivhaus“ noch einmal an Schwung. Ich stellte mir ein sehr, sehr lautes Haus vor. Ein Haus, in welchem es aus allen Ecken und Wänden mal lauter mal leiser blubbert, zischt oder pfeift. Die Tonlage eines Massivhauses aus Blähton ist sicherlich von verschiedenen Faktoren abhängig. Vermutlich spielt die Luft eine entscheidende Rolle, denn ein Haus atmet ja in gewisser Art und Weise. Wenn die Hausatemluft nun beispielsweise Spuren von Zwiebeln oder Knoblauch enthält, dann wird ein Blähton-Haus schon ganz schön was zu erzählen haben. Trägt die Natur dem Blähtonhaus aber Kohl-Elemente zu, wird es wahrscheinlich sehr, sehr unangenehm im Inneren. Unangenehm duftig und laut vermutlich. *schenkelklopf*

Das waren die Gedanken, die sich sofort einstellten, als ich „Massivhaus aus Blähton“ las. Irgendetwas in mir streichelte kopfschüttelnd die Lachmuskeln um sie zu beruhigen und signalisierte meinem Ich, doch endlich mit diesen blödsinnigen Gedanken aufzuhören. Stattdessen sollte ich mich mal umschauen, was es mit diesem Blähton (*wieher*) auf sich hat und welche Rolle er beim Massivhausbau spielt.

Gar nicht überraschend war dann, dass bei der Recherche nach dem Blähton (*lol*) als erstes Wikipedia auftaucht:

„Als Rohstoff wird kalkarmer Ton mit fein verteilten organischen Bestandteilen verwendet. Dieser wird gemahlen, granuliert und bei rund 1200 Grad Celsius im Drehrohrofen gebrannt. Dabei verbrennen die organischen Zuschlagsstoffe und das Material bläht sich durch das bei der Verbrennung entstehende Kohlendioxid kugelförmig auf. Blähton erreicht dabei das Vier- bis Fünffache des Ausgangsvolumens.“

Ok – jetzt weiß ich was Blähton (*glucks*) ist, aber wie verwendet man das Zeug?

Wegen der nahezu idealen Kugelform mit einem Durchmesser bis 40 Millimeter ist Blähton als Zuschlag in Mörtel, Beton und Lehm geeignet. Er wird deshalb bei der Herstellung von gefügedichtem und haufwerksporigem Leichtbeton eingesetzt. Körnungen mit einem Durchmesser bis vier Millimeter werden in Mauer-, Putz- und Estrichmörtel verwendet. Dabei werden insbesondere das geringe Gewicht wie auch die gut wärmedämmenden Eigenschaften des Blähtons ausgenutzt. Ohne weitere Bearbeitung oder Behandlung kann Blähton als wärmedämmende und raumstabile Schüttung eingebaut werden.

Im Garten- und Landschaftsbau wird Blähton zur Bodenverbesserung, zur Dachbegrünung und bei der Hydrokultur eingesetzt. In der Floristik wird Blähton als Substratersatz für Zimmerpflanzen verwendet, da er Wasser und Nährstoffe sehr gut aufnimmt. (wikipedia)

Das klingt ja mal interessant. Blähton (*grins*) ist also ein biologischer Baustoff, der nicht nur im Hausbau Verwendung findet. Der Einsatz in der Floristik erklärt sich aus dem oben zitierten von selbst: klingt ein wenig wie Seramis, wenn dir das was sagt. Das haben wir früher oft mal als Ersatz für Blumenerde in die Töpfe der Zimmerpflanzen gekippt. Seramis ist auch nur ein Tongranulat.

Dennoch … Blähton (*prust*) werden wir bei unserem Haus vermutlich nicht verwenden. Ich stelle mir nur vor, wenn ich vor Bekannten und Freunden und Interessierten über den Hausbau referiere und dann den „Blähton“ erwähnen muss. Ich weiß nicht – vermutlich wäre dann mein Vortrag erst einmal unterbrochen, weil ich ständig grinsen und aufpassen muss, nicht loszuprusten. 🙂

Ich bin albern, ich weiß. 🙂

Update: Ich alberner Mensch bin nicht allein. Eben wurde ein ganz neuer Begriff für den Blähton (*rotfl*) geprägt. Nicht von mir – von Dagmar: Flatulenzkeramik!
*aufdemBodenlieg* … FLATULENZKERAMIK! … Hahahaha … Herrlich blödes Wort.

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