Bitte keine Arachnophobie – Leben mit Hausspinnen

Rituale im Leben sind doch was schönes. Regelmäßig wiederkehrende Tätigkeiten und Handlungen geben Halt in jedem noch so hektischen Alltag. Seit wir in unser Holz100-Haus eingezogen sind, haben wir bereits ein Ritual einführen dürfen.

Bereits seit kurz nach dem Einzug und den noch anhaltenden Aufräumarbeiten darf ich jeden(!) Tag eine Handlung vornehmen: ich darf Spinnen einfangen. Oder besser pflücken oder einsammeln. Naja … nicht Spinnen in der Mehrzahl, sondern jeden Tag eine. Eine besondere. Immer die gleiche?

Es ist ja nicht so, dass wir Spinnen nicht gewöhnt sind. Oftmals hängen sie in Zimmerecken herum und befreien uns Bewohner von kleinen Plagegeistern wie Mücken und so Zeug. Ebenfalls häufig hatten wir stattliche Spinnenweben vor Fenstern und Balkontüren. Da spart man sich glatt Fliegengitter. Außerdem ist’s interessant zu beobachten, wie die Viecher im Laufe der Tage immer fetter werden. Das Nahrungsangebot in Bodenseenähe ist großartig.
Das sind bekannte Spinnen. Wir tolerieren sie und sie lassen uns in Ruhe. Wie ein langverheiratetes Paar lernt man miteinander umzugehen und sich in trautem Nebeneinander und Miteinander zu akzeptieren. Kein Ding.

Jetzt im neuen Haus haben wir es mit anderen Spinnen zu tun. Ich gebe zu, dass mich deren Anblick das erste Mal ziemlich getroffen hat. Denn – unsere neuen Mitbewohner sind ein ganz neues Kaliber „Spinne“. Aber sieh selbst:

Hausspinne in Gefangenschaft.

Gefangen – wie jeden Tag: eine Hausspinne.

Heute erfuhr ich die Bezeichnung dieser Spinnen: es handelt sich um die Hausspinne oder Große Winkelspinne. Die Biester werden groß. Wirklich groß. Ich weiß das, denn heute morgen bspw. durfte ich so ein Vieh im Schlafzimmer einsammeln. So wie ich quasi seit dem Einzug jeden Tag den Helden spielen muss. Im Keller, im Flur, im Treppenhaus und im Kinderzimmer hatte ich sie schon. Tagtäglich befreie ich unsere geheiligten Hallen von diesen Eindringlingen. Und heute eben erstmalig im Schlafzimmer.

Ich nehme dann immer ein Glas und stülpe dieses über die Spinne. Ein leichtes Ruckeln am Glas veranlasst die Hausspinne in der Regel dazu, dass sie die Wand loslässt und ins Glas purzelt. Dann halte ich den Deckel zu und eile gen Haustür, durch welche ich das Haus verlasse und springe zur gegenüberliegenden Wiese. Mit elegante Schwung darf die gefangene Hausspinne die wiedergewonnene Freiheit mit einem Freiflug beginnen. Ich sehe niemals nach, ob die temporäre Flugspinne gut aufkommt und sie sich nicht irgendeinen Knöchel verstaucht oder so. Ich gehe beruhigt ins Haus zurück, in des sich mein Puls unsichtbar wieder dem Normalzustand nähert. Dabei murmele ich Mantras a’la „Sie hat ne Flugstunde bekommen. Die Gute.“ Feierlichkeiten zu Ehren meiner Heldentat finden nicht statt.

Hausspinne im Vergleich zu einem Schnuller

Das Biest hielt zwar nicht Stille, aber auch so bekommt man einen guten Eindruck von den Größenverhältnissen wir sprechen, wenn ich von unseren Hausspinnen schreibe.

Heute Morgen freilich ging das etwas schief. Die Spinne war einfach zu groß. Ich hatte so ein normales leeres Schraubglas, welches so 8cm im Durchmesser hat. Jetzt leer, enthielt es vorher Mais oder so. Wir nutzen die Dinger manchmal zum einmachen von Marmelade und haben stets eine gewisse Anzahl im Haus. Inzwischen verteilen sich einige dieser Gläser an strategisch günstigen Stellen im Haus. Aus Gründen! Jedenfalls stülpte ich ein Standard-Spinnenfangglas über die Spinne und rüttelte mit routnierter Leichtigkeit.Da passierte das Maleur: die Spinne purzelte zwar in das Glas, vergaß dabei aber ein Spinnenbein mitzunehmen. Die arme … Ich hatte genau gezielt, aber das Biest hatte eine Spannweite (wie nennt man das bei Spinnen?), welche die Glasöffnung übertraf. Sie bezahlte ihren übermütigen Größenwahnsinn mit dem Verlust eines Beines. Ich denke aber, dass sie das überleben wird. Kurze Zeit später verließ sie wie ihre Vorgänger auf dem Flugweg unser Haus.

Der Kollege, welcher die Hausspinne benannte und mir steckte, dass er früher auch solche Ungeheuer hatte und diese sogar fütterte(!), erzählte mir auch, dass man die Spinne mindestens 15m vom Haus freilassen dürfte; „sonst finden die wieder zurück!“. Echt?

Handelte es sich vielleicht bei den ganzen gefangenen und freigelassenen Spinnen immer um ein und die selbe Hausspinne? Ich vermag es nicht zu sagen. Ich erwäge aber den Einsatz einer Leuchtfarbe, welche ich vllt. mit Hilfe eines dünnen Pinsels oder einer Pipette auf die Leiber weiterer Spinnen aufbringen kann. Dann kann ich bereits einmal gefangene Hausspinnen wieder identifizieren! So wie es Ornithologen bei Vögeln machen. Aber versuche mal eine Spinne zu beringen! Welches Spinnenbein nimmt man da? Das wäre komplettes Neuland. Farbe ist da schon einfacher und gewährleistet auch einen gewissen Mindestabstand bei der Kennzeichnung der Biester. Notfalls kann man Farbe auch mit Farbpatronen auf die Spinne schießen. Wie beim Paintball. Noch mehr Sicherheit bei den Markierungsarbeiten.

Außerdem muss ich bei der morgigen Spinne genau aufpassen, ob diese nicht vielleicht humpelt oder andere Gehfehler hat. Dann könnte es die heutige sein!

Ich bin gespannt wo und welches Tier ich morgen fangen darf. Dabei bin ich ziemlich froh, dass unsere Familie keine ausgeprägten arachnophilen Züge hat. Gewiss – diese mystischen Schauer, die einem beim Anblick der Monster die Epidermis in eine Hügellandschaft verwandeln sind auch bei uns nicht wegzudiskutieren, doch wir gehen relativ gelassen mit den Hausspinnen um. Einfangen und fliegen lassen – das Prinzip hat sich bewährt. Und wenn auch nicht alle Bewohner sich trauen, den Einfangvorgang umzusetzen, so springt doch niemand hysterisch kreischend durch die Gänge. Ich finde, dass muss ich mal lobend erwähnen.

Vielleicht besorge ich ja mal den Film „Arachnophobia“ für einen lustigen Filmabend (mit anschließend unlustiger Nachtruhe?) … den habe ich dazumal im Kino gesehen und danach eifrig nach dunklen, muffigen Ecken Ausschau gehalten. Man konnte ja nie wissen …

2 Antworten

  1. Gabi Mölle sagt:

    Hallo Jörg,
    Ich würde jeden Teg Deine Heldentat feiern, ich hab nämlich Angst vor Spinnen!
    Das nächstemal, wenn wir Euch besuchen will Alex Deine Heldentaten mit Dir beim Griechen feiern :)))
    Grüßle
    Gabi, Alex, Sophia und Sebastian

    • Themenmixer sagt:

      Hallo Gabi!
      Was für eine fantastische Idee, solange keine griechischen Spinnen auf der Speisekarte stehen.
      Da ich die vorletzten Tage keine einzige Monströsität zu fassen bekam durfte ich gestern gleich zweimal meines Amtes walten! Wäre fast schon ins Schwitzen gekommen! 😉
      Liebe Grüße an Alex, Sophia und Sebastian
      Jörg

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